Was passiert, wenn Akustikgitarren auf Synths und der Wilde Westen auf Palmen treffen? Im Fall von LANYs drittem Album „Mama’s Boy“ kommt dabei eine Sammlung von 14 verträumten Songs heraus, die sich irgendwo zwischen Pop aus den 80ern und modernem Songwriting, Kitsch und Realität bewegen.

Die Südstaaten-Boys setzen dabei natürlich wieder auf die ganz großen Gefühle, im Vergleich zu den Vorgängeralben, insbesondere „Malibu Nights“, sind sie aber mit weniger Herz- und mehr Weltschmerz am Start.

Der Fokus liegt nicht mehr nur auf der Verflossenen, sondern auch auf anderen Themen, mit denen man sich als junger Mann in der großen weiten Welt so befasst: Drogen, Herkunft, Familie.

Soll natürlich nicht heißen, dass die Liebeskummer-Lieder, für die die Fans LANY lieben gelernt haben, gar keinen Raum auf „Mama’s Boy“ finden:

„Sharing You“ ist ein Track über Eifersüchteleien, „Sad“ behandelt die Gefühle, wenn die Angebetete jemanden Neues hat, „Good Guys“ handelt davon, der Herzensdame zu zeigen, dass man ein echter Gentleman ist – auch, wenn diese gar nicht auf die tollen Typen steht.

Zusammengefasst wird das Gefühl im Chorus dieses Tracks mit den Zeilen „I just wanna give you everythin’ / Show you I’m a Southern gentleman / All I wanna do is let you in / But good guys, good guys never win“, was eigentlich auch die Grundhaltung der ganzen Platte beschreibt:

Denn einerseits spielt die Herkunft des Trios auf „Mama’s Boy“ eine enorme Rolle, zu sehen unter anderem am Track „Cowboy In LA“, wo Sänger Paul Klein mit der Line „Oklahoma, it made a man out of me“ seiner Heimat Tribut zollt oder auch auf „I Still Talk To Jesus“, wo er die Konflikte zwischen seiner christlichen Erziehung und seinem nicht ganz so bibeltreuen Lebenswandel thematisiert.

Andererseits wird man aber auch das Gefühl nicht los, dass auf der Platte mitunter eine ganz schöne Selbstbeweihräucherung betrieben wird: Man selbst als der good guy, der natürlich nur das Beste will, aber dann irgendwie doch immer schlecht wegkommt.

Für Leute, die mit Selbstmitleid halbwegs klarkommen, ist „Mama’s Boy“ eine wirklich hübsche, wenn auch manchmal etwas seichte Platte. Wem der Stereotyp des leidenden jungen Kerls eher auf die Nerven geht, wird eine schwere Zeit haben, sich die Tracks des Albums bis zum Schluss reinzuziehen – auch wenn diese wirklich schön klingen.

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