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Léon (Credit Sandra Thorsson)

LÉON – Apart

Eigentlich habe die Literatur nur zwei Themen: Die Liebe und den Tod. Das gab zu seiner Zeit Marcel Reich-Ranicki im literarischen Quartett zum Besten. Pop-Musik tappt oft in die gleiche Falle und erzählt Geschichten, die man so oder so ähnlich schon 1.000 Mal gehört hat.

Liest man also in der Albuminfo einer kommenden Platte, dass es mal wieder um den aktuellsten Heartbreak geht, steigert das die Spannung nicht gerade. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, bestätigt LÉON mit „Apart“ die Erwartungen:

Ganz nett ist das, was die Schwedin sich auf ihrem zweiten Studioalbum zusammenreimt, aber der große Aha-Moment bleibt aus.

Songtitel wie „Head And Heart On Fire“, „And It Breaks My Heart”, „In A Stranger’s Arms” oder „Chasing A Feeling” geben schon ohne die dazugehörigen Lyrics den Spannungsbogen einer zum Scheitern verurteilten Beziehung wieder.

Musikalisch wird solcher Herzschmerz gerne mit melancholischem Klavier, schüchterner Akustik-Gitarre, Streichern und bedeutungsschwangeren Melodiebögen vertont.

Zumindest bei manchen Songs macht LÉON in dieser Hinsicht eine Ausnahme, denn „And It Breaks My Heart“ kommt nicht alleine mit Streichern um die Ecke, sondern hat auch einen stampfenden Discobeat und jede Menge Synthies mit an Bord.

Ob es das besser macht, sei mal dahin gestellt. „Crazy/Stupid“ klingt mit ähnlichen Zutaten als nachfolgender Song wie die kleine Schwester. Am meisten Gefühl transportiert LÉON bei den Songs, die sich musikalisch auf das Wesentliche reduzieren und so den Fokus auf ihrer Stimme legen:

Die ersten Sekunden von „Tell Me“ – bei denen die Sängerin nur von zurückhaltenden Klavierakkorden begleitet wird – wirken so zerbrechlich wie fallende Schneeflocken und rühren durch ebendiese Simplizität an.

Schade, dass der Titelsong und das gerade eineinhalbminütige „Tell Me“ damit eine der wenigen Ausnahmen bilden. Der Rest von „Apart“ fließt als weichspülender Hintergrund-Soundtrack dahin, dem auch Songtitel wie „Die For You“ nicht die fehlende Emotionalität geben können.

Vielleicht hätte LÉON sich nach ihrem vielgefeierten Debüt doch lieber ein bisschen mehr Zeit nehmen und dafür in die Tiefe gehen sollen. Denn nach Songs wie „Come Home“, die mit ihrer rohen Schönheit und den souligen Anleihen und den verschiedenen Nuancen der Stimme verzaubern, sucht man auf „Apart“ vergebens.

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