Billy Corgan steuert seine Gitarren-Band The Smashing Pumpkins in die Untiefen des Synth-Pop, wo sie regelmäßig auf Grund läuft. Dennoch ist es womöglich das einzige Manöver, das noch geblieben ist.

Die Pumpkins waren Mitte der 90er eine der alternativen Überbands, denen mit Billy Corgan ein wenig begnadeter Sänger, dafür einer der begnadetsten Songschreiber vorstand.

Parallel zum Erfolg von „Siamese Dream“ und ihrem Opus Magnum „Mellon Collie And The Infinite Sadness“ wächst das Ego von Corgan in ungesunde Höhen, in welche die Qualität der Folgealben nicht hineinreicht und sukzessive abnimmt.

Die Band zersplittert in ihre Einzelteile, bis nur noch Corgan übrigbleibt. Schlagzeuger Jimmy Chamberlin kommt für das durchwachsene Comeback-Album „Zeitgeist“ von 2007 zurück ins Line-Up und wirft nicht einmal zwei Jahre später wieder hin. Neben Corgan hat nur noch Corgan Platz.

Allein er weiß, wie er es geschafft hat, 2018 nicht nur Chamberlin zu einer erneuten Rückkehr zu bewegen, sondern auch Gitarrist James Iha, den er beim ersten Split 2000 maßgeblich für die Auflösung der Band verantwortlich machte, für ein neues Album zu gewinnen. Es fehlte nur noch Bassistin D’arcy Wretzky und das Originalline-Up wäre knapp 20 Jahre nach der Trennung wieder komplett gewesen. Doch sie kann er nicht überzeugen.

Wenig überzeugend gerät dann auch das Album „Shiny An Oh So Bright, Vol.1 / LP: NO Past. No Future. No Sun”. Es bleibt die Erkenntnis, dass Corgan auch mit ¾ der ursprünglichen Pumpkins einfach keine zwingenden Songs mehr zustande bringt.

Dann eben die Flucht nach vorne. Zumindest wirkt das inziwschen 11. Album der Band aus Chicago genau so. Vieles von dem, was die Band ausmachte, wurde ausrangiert. Das markanteste Smashing-Pumpkins-Merkmal auf „Cyr“ ist Corgans  Stimme. Der quakende Gesang war aber auch bei einem Übersong wie „1979“ mehr Markenzeichen als qualitatives Merkmal.

Kurz: Die Band beschneidet sich bewusst um ihre wichtigste Eigenschaft: Gute Gitarrenarbeit. Und das, obwohl im aktuellen Line-Up mit Corgan, Iha und Jeff Schroeder gleich drei hervorragende Gitarristen ihrer Begabung nachgehen könnten.

Doch damit nicht genug. Auf den meisten Songs darf Schlagzeuger Jimmy Chamberlin noch nicht einmal Schlagzeug spielen. Drum-Computer richten es über weite Strecken. Das ist beides einerseits mutig, andererseits ein entsprechend ambivalentes Vergnügen.

Ein Synth-Pop-Geschwurbel wie im Titelsong braucht es generell nicht, am wenigstens jedoch von den Smashing Pumpkins. Und selbst das einzig wirkliche Gitarren-Stück „Wyttch“ ist durch Keyboards und Corganschne-Chöre mit zu viel Pathos überzogen.

Es dauert etwas, bis man vereinzelten Songs wie z.B. „Wrath“ eine elektronische Wärme abringen kann, die vielleicht nur mit der Geschichte der Pumpkins entstehen konnte.

Doch im Großen und Ganzen ist „Cyr“ die Flucht nach vorne, die der Fangemeinde tendenziell noch mehr zuwiderläuft, als die vier Platten zuvor. Im besten Fall schafft es „Cyr” von „Stand Inside You Love“, über „Tonight Tonight“, bis „Today“ nochmal die wirklich großen Songs aufzulegen und inbrünstige „I used to be a little boy“, zu wimmern. Lange ist’s her.

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