Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Drive-By Truckers (Credit ATO Records)

Drive-By Truckers – The New OK

Country sorgt abseits der USA meist für kritisches Stirnrunzeln. Künstler des Genres, die in ihrer Heimat ganze Stadien in Sekundenschnelle ausverkaufen, landen in Europa, wenn überhaupt, in der hintersten Ecke des Plattenladens.

Warum eigentlich? Mit „The New Ok“ haben sich zumindest die Drive-By Truckers ihren Platz ganz vorne im Regal redlich verdient. Und das gleich aus mehreren Gründen.

Eigentlich hat es immer einen faden Beigeschmack, wenn eine Platte Songs enthält, die es nicht auf den Vorgänger geschafft haben. Denn was sollte das anderes sein, als Ausschussware? Man darf also erstmal skeptisch sein, wenn man auf „The New Ok“ Titel wie „The Unraveling“ – gleichfalls Name des Anfang 2020 erschienenen Studioalbums von Drive-By Truckers – entdeckt.

Aber vielmehr als auf eine angeblich mangelnde Qualität von „The New Ok“ lässt „The Unraveling“ auf die Überzeugungskraft beider Alben schließen.

Ausnahmsweise bringt die Corona-Krise also auch mal etwas Positives zum Vorschein, denn wären die Drive-By Truckers nicht zum geographischen Stillstand gezwungen gewesen, wer weiß, ob „The New Ok“ jemals das Licht der Welt erblickt hätte.

„The unraveling is happening / Whole world coming apart right at the seams” verkündet in bester Southern-Punk-Manier zu schön schrägen Gitarren und zu gleichen Portionen gesungenem und geschrienem Gesang den Beginn der Veränderung. Und wann wäre dazu ein besserer Zeitpunkt als zum Amtswechsel des US-Präsidenten?

Sowieso zeigen Drive-By Truckers sich auf „The Next Ok“ sehr politisch und sozialkritisch. Schon der Albumtitel wirft die Frage auf, ob wir uns einfach mit zu wenig zufriedengeben. Zu anstrengend ist der Weg zur nächsten Demo, zu bequem die Couch und die Probleme der anderen mögen zwar essentiell, aber eben nicht die eigenen sein.

Entspannte Tracks wie „Sea Island Lonely“ oder der Song „Sarah’s Flame“, der mit lässig jazzig angehauchtem Klavier fast slackermäßig um die Ecke schlurft und damit für die gewisse Portion Müßiggang sorgt, die jeder dieser Tage gebrauchen kann, mögen zwar auf den ersten Blick über die Ernsthaftigkeit von „The New Ok“ hinwegtäuschen, entfalten bei näherem Hinhören aber ebenfalls ihren doppelten Boden.

Schreibe einen Kommentar