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Rhye (Credit Emma Maria Jenkinson)

Rhye – Home

In diesen Zeiten ein Album mit „Home“ zu betiteln, erfordert Mut. Denn die meisten Menschen dürften von ihren eigenen vier Wänden mittlerweile gehörig die Schnauze voll haben. Aber gut – Michael Milosh aka Rhye hat vielleicht auch gut reden – denn passend zu seinem neuen Album hat sich der Globetrotter, der bereits in Kanada, Thailand oder Deutschland gelebt hat, dazu entschlossen, sich niederzulassen. Und das nicht einfach irgendwo.

Gemeinsam mit seiner Partnerin Genevieve, deren Gesicht auch das Cover von „Home“ ziert, bezog Rhye ein Haus mitten in der Natur im hippen Westen Los Angeles‘, das die letzten Jahrzehnten ausschließlich Künstler beherbergte. Damit erfüllte Rhye eine wichtige Voraussetzung für die Hausverkäuferin: Die Tradition des Hauses soll weitergeführt werden.

Rhye macht das gleich auf mehreren Ebenen, denn neben der Musik frönt er gemeinsam mit seiner Partnerin auch anderen, kreativen Ausdrucksformen, wie der Fotographie oder der Videokunst. Basis und Anker all‘ dieses kreativen Schaffens ist für Rhye eben jenes Zuhause – deswegen ist besagter Albumtitel als Schlussfolgerung sinnig.

Auch musikalisch klingt „Home“ so, wie die meisten sich eine Heimat wünschen: wohlig, warm, geborgen und ohne laute Überraschungen. Seine einzigartige Stimme, die bei Unwissenden allzu oft die Frage aufwirft, ob man es hier mit einem Sänger oder einer Sängerin zu tun hat, bettet Rhye auch auf „Home“ in Dream-Pop-Manier in unaufdringliche Instrumentierung ein, die oft mehr getupft und gehaucht, als gespielt und gesungen wirkt.

Wo seine Vocals dazu verleiten, mit leichter Eintönigkeit einzulullen (wie gesagt, lauter wird es auf „Home“ nie, denn auch in Sachen gesanglicher Experimente bewegt Rhye sich ausschließlich auf Zimmerlautstärke), hat der gebürtige Kanadier ein Händchen dafür, die androhende Langeweile mit interessanten Details abzuwenden.

Da wäre zum Beispiel die überraschend eingängige Bassline von „Sweetest Revenge“, gepaart mit den plötzlich aufflackernden Gitarren, die sich mit den Streichern mehr versöhnen als streiten.

Oder die Magie, die sich entfaltet, wenn bei „Come In Closer“ im Laufe des Songs tatsächlich alle Instrumente näher zu kommen scheinen, und man sich nach den dreieinhalb Minuten wie eingenommen fühlt – in positivem Sinne.

Bei genauerem Zuhören entdeckt man in den meisten Songs auf „Home“ solche liebevollen Details. Aber eben nur, wenn man sich die Mühe des konzentrierten Hörens macht.

Ansonsten plätschert „Home“ wie ein unauffälliger Raumduft im Hintergrund, der zwar nicht stört, aber auch keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.

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