Sleaford Mods sind das liebste aller Schmuddelkinder, wenn es um galliges Straßenkötertum geht. Stoizismus und Tiraden sind die große Kunst des Duos; ihr 11. Album ein noch tollwütigeres Vergnügen, dank Gastauftritten von Amy Taylor und Billy Nomates.

„Hello there, I’m here today to talk about the importance of independent venues/ I’m also secretly hoping that by agreeing to talk about the importance of independent venues/ I will let me into position to move away from playing independent venues“

Jason Williamsons Galgenhumor ist auf „Spare Ribs“ in Hochform. Und nicht nur das: Er singt jetzt. Zumindest deutet er es an. Wer ihm das übel nimmt und sich über fehlenden Flow beschwert, der hat Sleaford Mods noch nie verstanden und bei „Spare Ribs“ ganz sicher nichts zu hören.

“I’m no good with elocution to get myself into the institution”, beschwört er direkt im Anschluss dieser Worte und schmettert allen Schönwetter-Schnösel und geschleckten Hip-Hop-Puristen im Chorus noch eines nach: „I wish I had the time to be a wanker just like you“.

Dazu holt Andrew Fearn, der Bier trinkende Laptop-Artist, wieder alles aus seinen Lautsprechern, was 0,5er-Dosen-Beats hergeben und ist damit einmal mehr deutlich einfallsreicher als das Gros amerikanischer Hochglanzproduktionen.

Es ist ihr siebtes gemeinsames Album (bei den vier davor war noch Simon Parfrement für die Produktion verantwortlich). Und die Kombination aus den lasziv-stoischen Beats und dem unorthodoxen Rap fällt erneut genial zerschossen aus.

Gleich bleibt auch das Ziel des Ärgers: Ihre von Brexit und Covid 19 geschundene Heimat und die, die den Scheiß zu verantworten haben: „And we’re all so Tory-tired / And beaten by minds small“, zer-sprecht-sing Williamson das Königreich an seiner Wurzel bereits im 44-sekündigen Opener „A New Brick”.

In „Out There“ wirft er noch ein “Let’s get Brexit fucked by a horse’s penis” hinterher.

Das griffigste Stücke der Platte jedoch gehört Amy Taylor von den australischen Punks Amyl And The Sniffers, die im post-punkigen „Nudge It“ einen grantelten Rap-Part übernimmt und mit Williamson den Chorus schmettert.

Sie haucht der musikalisch wenig beweglichen Welt von Sleaford Mods neues Leben ein, genauso wie der Gastauftritt von Billy Nomates (alias Tor Maries) aus East Midlander, die der Gothic- und Elektro-Geschichte von Langeweile und Entfremdung in der beigen Vorstadt „Mork N Mindy“ ihren verdammt coolen Laissez-faire-Drawl leiht.

Beide vervollkommnen „Spare Ribs“ zu einem knorrig-knochigen Vergnügen. In seiner schmuddeligen Verweigerung und Antithese ist die Platte gar ein Triumph.

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