Milliarden – Schuldig

Als Musiker, die deutschsprachigen Rock spielen, liegt es einerseits gähnend nahe, andererseits gibt es auch Schlechteres, als mit Ton Steine Scherben beziehungsweise Rio Reiser verglichen zu werden. Schon seit Veröffentlichung ihrer erster EP passiert das Milliarden immer wieder.

Der Grund ist vor allem die markant-rauchige Stimme von Frontmann Ben Hartmann. Sie ähnelt der des „Königs von Deutschland“ noch wesentlich mehr als der tiefe Gesang von Henning May, der ebenfalls oft mit Reiser verglichen wird.

Doch auch musikalisch sind Milliarden und ihr drittes Album „Schuldig“ nicht weit entfernt von den bis heute einflussreichen Ton Steine Scherben.

Mit dem stets hörbaren Punk- bis Post Punk-Einfluss nähern sich Milliarden den 70er bis 80er Jahren an und klingen gleichzeitig genau deswegen auch zeitlos. Eine Ironie, die es so wohl nur im breiten Spektrum Rock gibt.

Die manchmal kühle und oftmals wütende Stimmung, die emotional-ausschlagenden und deshalb nicht immer sauberen Saitensounds und die scheinbare Freiheit, Sounds einfach mal passieren zu lassen, prägen Songs wie den Titelsong und Opener „Schuldig“.

Hinzu kommen mal hitverdächtige Melodien wie in der Single „Wenn ich an dich denke“ oder emotionale Ausbrüche in Hartmanns Gesang („Die Fälschungen sind echt“).

Inhaltlich erzählen die zehn Songs auf „Schuldig“ vom Fallen und Fallen gelassen werden, aber auch von einer zwiegespaltenen Gesellschaft und den immerwährenden Konflikt zwischen eigenen Wünschen und dem Allgemeinwohl.

Die Band aus Berlin lässt in ihren Lyrics aber gewohnt viel Spielraum für Interpretationen, obwohl sie weitestgehend auf Metaphern verzichtet. Im rauen, musikalischen Umfeld der Band würden diese aber wohl sowieso deplatziert wirken.

„Schuldig“ als Album beweist, dass deutschsprachiger Rock nicht nur von lang eingesessenen Bands mit schlageresken Anbandelungen funktioniert. Nicht immer wirkt die oft transportierte Wut von Milliarden dabei authentisch, vielleicht ist das aber auch gar nicht das Ziel.

Die Balance zwischen Ausdrucksstärke, Abstoßung und Anziehung hält die Band aber wie kaum eine andere.

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