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Françoise Cactus (Credit Staatsakt)

R.I.P. Françoise Cactus (Stereo Total)

Fast ließ Corona vergessen, dass auch andere Krankheiten weiter ihren Tribut fordern, riss der Krebs nun Françoise Cactus von Stereo Total mit nur 57 Jahren aus dem Leben.

Mitte der Achtziger hatten sie und Berlin sich gefunden, sie legte in Kellerclubs auf, saß am Schlagzeug der Lolitas und impfte mit ihrem Gesang dem Punk-Rock Humor ein, bis sie mit Brezel Göring eines der gelungensten Kapitel deutsch-französischer Zusammenarbeit initiierte.

Der Stern von Stereo Total begann mit dem Debüt „Ah Oh Ah“ zu leuchten, ihrem schrulligen, Easy-Listening-affinen, Lo-Fi-Elektronik mit Tendenz zum Chanson verlieh Françoise Cactus mit dem ganzen Charme ihres Akzents die passende Stimme, verpasste den Arrangements ihres Partners jene frivole Note, die der Freizügigkeit der Texte entsprach und später in den Hits „Liebe Zu Dritt“ oder „Schön Von Hinten“ in Songtitel gegossen wurden.

Viele Alben folgten, bis zuletzt auf „Ah! Quel Cinéma!“ hatte der kurzweilige Stereo-Total-Sound unbedingten Wiedererkennungswert – um nicht zu sagen, er war immer gleich – und genauso unverändert erschien stets die Frau aus dem, O-Ton der Betroffenen: „hässlichsten Dorf“ der Bourgogne, die sich so wenig wichtig nahm, wie das Duo seine Musik, die, willentlich unperfekt und schräg, international erfolgreich war.

Ob in provokativen Kunst-Kollagen ihrer selbstgestrickten Puppe Wollita („When Love Turns To Poison“ hatte nicht nur Freunde), beim Produzieren von Hörspielen, beim Bücher schreiben („Abenteuer einer Provinzblume“), Zeichnen oder in ihrer „radioeins“-Show, deren neuen Folge für kommenden Dienstag geplant war – hibbelig, umtriebig, geistreich, voller Wortwitz und mit einem entwaffnenden Lachen ausgestattet erlebte man die Multikünstlerin.

Ihr Tod lässt nicht nur den Partner Brezel Göring zurück, sondern trennt auf schmerzhafte Weise eine Band, die bereits auf ihrem Zenit das Licht zur Welt erblickte und seitdem keinen Fuß von ihm wich.

Françoise Cactus, die über sich sagte: „Ich glaube, das ist es: Ich kann nicht ohne Musik leben“ tanzt jetzt leider nicht mehr in ihrem Kreuzberger Kiez im Viereck.

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