Roosevelt – Polydans

Wer sich von einer Band oder einem Musikprojekt abnabelt, um fortan solo zu musizieren, läuft Gefahr, auf ewig an seinen Wurzeln gemessen zu werden. Bei einem musikalischen Wechsel wird dieses Risiko aber auf einen Schlag geringer.

So ähnlich verhält es sich auch mit Roosevelt. Längst ist in Vergessenheit geraten, dass Marius Lauber nicht immer der gehypte Synthie-Pionier war. Vor knapp zehn Jahren hat er als Drummer der Indie-Band Beat!Beat!Beat! Schon einmal einen Hype um die eigene Kunst erlebt.

Von den gitarrenbetonten Indie-Hits ist bei Roosevelt und seinem mittlerweile dritten Album „Polydans“ aber nicht mehr viel übrig – höchstens das weite Spektrum des Genres ist der größte gemeinsame Nenner.

Am Ende soll „Polydans“ aber vor allem ein Liebesbrief an die Clubszene sein. Und genau in diese Welt entführt es seine Zuhörer auch schon beim Opener „Easy Way Out“. Mit gleichbleibenden Wummern, einem strammen Beat und schrillen Synthie-Einsätzen ist das Setting direkt klar:

Roosevelt zieht seinen über zwei Alben etablierten Sound auch weiterhin durch. Eine richtige Überraschung gibt es außerhalb der ersten Sekunden des Openers aber nicht. Und genau so vorhersehbar wird es auch bei der tendenziell hitverdächtigen Single „Strangers“ oder bei „Feels Right“.

Das Tempo bleibt das gleiche, die Beats wirken damit identisch: bis auf leichte Abweichungen der Stimmung klingen die Songs auf „Polydans“ im wahrsten Sinne gleich.

Von Pionier-Arbeit ist nur noch wenig zu hören, dafür umso mehr von generischen Wohlfühl-Synthie-Gefilden, die nebenbei mit ebenso abgedroschenen Songtiteln auskommen müssen.

Nur selten gelingt es Roosevelt auf „Polydans“ aus seinem eigenen roten Faden auszubrechen. Dann aber immerhin mit starken Gegensätzen: das sanfte „Closer To My Heart“ überrascht mit Bedroompop-Ästhetik, während es bei „Forget“ wesentlich atmosphärischer wird als zuvor.

Richtig nach Dancefloor und Clubszene klingen die beiden Stücke aber auch nicht. Das Los, einen Hype aufrecht zu erhalten, mag für „Polydans“ hart genug sein, mit ein wenig mehr Ausreißern hätte aber genau das funktionieren können.

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