Mikrochips, 5G oder eben doch ein Klassiker wie die Chemtrails. Es ist eine gute Zeit für Verschwörungstheorien. Auch in Lana Del Reys Heimat drängen sie sich immer präsenter in die suburbane Idylle. Der Titeltrack zu ihrem neuen Studioalbum „Chemtrails Over The Country Club“ zeichnet ein verstörendes Bild, das das aktuelle Weltgeschehen perfekt beschreibt.

Lana Del Rey tänzelt über 11 Songs wieder zwischen romantisch und kitschig, zwischen dramatisch und melodramatisch. Dabei spricht sie die Themen des namensgebenden Lieds in den restlichen Liedern nicht mehr an. Sie beschränkt sich lieber auf altbekannte Beziehungsgeschichten mit obligatorischen Kalifornien-Referenzen, so dass sich die Lyrics nicht groß von ihren vergangenen Werken abgrenzen.

Musikalisch hat sie es allerdings geschafft, sich neu zu erfinden. Wie auf ihrem Vorgänger „Norman Fucking Rockwell!“ hat sich die 35-jährige beim Songwriting von Jack Antonoff (Bleachers, Fun) unterstützen lassen. Zusammen haben die beiden einen eindeutig zurückgenommenen Sound geschaffen, der stark durch Folk und teilweise sogar Country geprägt ist.

Waren in der Vergangenheit noch epische Orchestereinsätze und dezente Hip-Hop-Elemente die dominierenden Stilmittel, führt die minimalistische Instrumentierung dazu, dass Lanas Stimme vorteilhafter in Szene gesetzt wird. Das Album erscheint nur ein paar Tage nachdem Taylor Swift für „folklore“ – auf dem diese eine ähnliche Taktik verfolgt hat – mit einem Grammy belohnt worden ist.

Lana Del Rey hat sich auf „Chemtrails Over The Country Club“ auch dazu entschlossen, sich auf die wesentlichen Lieder aus den Studiosessions zu beschränken. Ihre letzten drei Alben waren über eine Stunde lang und jeweils mit einer Handvoll an Füllern bestückt. Die Runtime von rund 45 Minuten macht das bisher intimste Werk der Amerikanerin zu einem Highlight in ihrer Diskographie.

Auch, wenn sie nicht komplett auf Klischees der kontemporären Popmusik verzichten kann: Seit ihrem Durchbruch mit „Video Games“ vor zehn Jahren hat sich Lana Del Rey kontinuierlich gesteigert und mit „Chemtrails Over The Country Club“ eine weitere Facette gezeigt.

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