„How long have we known each other now?“ fragte Anita Lane eingangs der Neunziger im Duett mit Blixa Bargeld via „Subterranean World“ zu den krachenden Gitarren von Die Haut.

Mit “ewig” meinte damals der Alternativ-Musik-Konsument die Antwort zu kennen, denn die Künstlerin (nicht verifizierbares Geburtsjahr 1959) aus der Melbourner Post-Punk-Keimzelle schien schon immer in allen relevanten Indie-Bands präsent.

Sie, die Down-Under in einer Beziehung mit Nick Cave lebte und mit Rowland S. Howard zur Schule ging, brachte unausweichlich ihr künstlerischen Esprit bei The Birthday Party ein, war in deren Songwriting nicht unwesentlich involviert.

Via London kam man in den zeitigen Achtzigern nach Westberlin, dem Eldorado für Kreative aus aller Welt, der Kreis gleichgesinnter Musiker um die australische Community vergrößerte sich im Biotop hinter der Mauer stetig, musikalisches Zusammengehen mit vor Ort ansässigen Szenegrößen logische Folge.

Aus den Resten von Birthday Party formierten sich schnell The Bad Seeds, wieder war sie als Texterin von „From Her To Eternity“ und als Co-Autorin von „Stranger Than Kindness“ an ganz großen Stücken aus dem Frühwerk der Band beteiligt, die bis heute regelmäßig auf deren Konzert-Setlist stehen.

Im Laufe der Zeit kamen viele weitere Kollaborationen mit ihr zustande, war sie auf beinahe allen Standardwerken im Umfeld von Einstürzende Neubauten bis Members of the Ocean Club zu Gast, war auch auf dem Soundtrack vom John Hillcoats Film „Ghosts…Of The Civil Dead“ zu hören.

Sie veröffentlichte mit „Dirty Pearl“ und „Sex O`Clock“ zwei Solo-Platten, die nahe am Soul gebaut waren und kombinierte charismatisch weibliche Selbstbestimmung mit fesselnd-lasziven Gesang, eindringlich auf dem ersten Serge-Gainsbourgh-Tribut-Album von Mick Harvey nachzuhören.

Die Zahl der Gäste auf der Birthday Party hat sich mit ihrem Tod weiter ausgedünnt.

„I want to say Hi to Anita and hope she`s fine“ sprach Nick Cave im April 1994 in einer von ihm moderierten 120 Minutes-Sendung auf MTV. Traurig schließen wir uns heute diesen Worten an, wo immer Anita Lane jetzt singen mag.

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