Chloe Moriondo – Blood Bunny

Mit gerade einmal 18 Jahren hat Chloe Moriondo einen Major-Vertrag in der Tasche und ihr zweites Album „Blood Bunny“ am Start. Ihr Sound ist im Vergleich zu ihrem Debütalbum dabei kaum wiederzuerkennen.

„Blood Bunny“ klingt kein bisschen wie der Hasen-Splatter, den der Titel andeutet. Die 13 Songs sind schlichter, schnörkelloser Pop-Rock mit einer großen Portion Neunziger-Nostalgie.

Auf ihrem selbstveröffentlichten Debütalbum “Rabbit Hearted” von 2018 war die Amerikanerin noch fast ausschließlich alleine mit ihrer Ukulele zu hören. Jetzt wird Chloe Moriondo von einer ganzen Band begleitet. Der damals noch sehr rohe Bedroom-Pop mit Lo-Fi-Charme ist jetzt major-gerecht glattgebügelt.

Ihre EP „Spirit Orb“ letztes Jahr hatte diese Veränderung schon angedeutet. Als die – damals als YouTube-Sensation gefeierte – Amerikanerin frisch gesignt wurde, führten sie die Lieder auf der EP langsam an den volleren Sound heran.

In zwei Songs war auch noch ihr ursprüngliches Markenzeichen, die Ukulele, zu hören. Auf „Blood Bunny“ ist diese komplett abwesend.

Ihrem Alter entsprechend widmet sich Chloe Moriondo auf ihrem Album der ersten Liebe und die Beziehungsdramen, die damit einhergehen, aber auch die Selbstfindung und ihren Umgang mit ihrer Homosexualität.

Die Detroiterin versteckt hinter der unschuldig anmutenden Fassade teilweise dann doch ihre blutrünstigen Fantasien, die sie mit dem Albumtitel verspricht. In „I Eat Boys“ beschreibt sie ihre Gefühle für Männer, die Frauen auf ihrem nächtlichen Heimweg auflauern: „I eat boys/ Yeah, I get them gory/ You can’t control me/ ‘Cause I wrote this story“.

Die Selbstfindung und emotionale Verwirrung der Sängerin zeigt sich in dem Song „Bodybag“: „Don’t know if I hate you/ Or if I want to date you/ Put you in a bodybag/ Instead of my bed“. Das Leben als Teenagerin ist eben zwiespältig und von impulsiven Extremen geprägt.

Abgerundet wird das Album durch die obligatorischen Balladen „Slacker“ und „Vapor“.

„Blood Bunny“ ist ein stimmiges Werk, in dem Chloe Moriondo glaubhaft und humorvoll ihre persönlichen Dilemmas beschreibt. Das Problem ist lediglich das derzeitige Überangebot an Acts, die die gleiche Sparte wie sie bedienen. Girl In Red, Beabadoobee oder Soccer Mommy haben die Nische schon vor Längerem gefüllt.

Der Verlust der Ukulele bedeutet für Chloe Moriondo den Verlust ihrer Individualität. Das soll ihre Leistung auf „Blood Bunny“ nicht schmälern, aber aus der Masse hervorstechen kann sie so nicht.

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