The Black Keys – Delta Kream

2010, VMAs: The Black Keys werden von MTV für ihr Video zu “Tighten Up” mit einem Award ausgezeichnet. Dass der Sender erst kurz zuvor das “Music Television” aus dem eigenen Logo gestrichen hatte, um der ansteigenden Dichte an mediokren Unterhaltungsformaten gerecht zu werden, entschuldigte nicht wirklich für den Fauxpas, der dem Sender bei der Verleihung unterlief: Auf dem Award stand “The Black Eyed Peas”, nicht der “The Black Keys”.

Mehr als eine Dekade später, spätestens nach “El Camino” aus dem Jahr 2014, dürfte der Bandname bei niemandem mehr für Verwirrung sorgen. Auch, dass “Delta Kram”, das neue Album des US-amerikanischen Blues-Rock-Duos, ausschließlich aus Coverversionen der eigenen Blues-Inspirationen besteht, dürfte jeden abschrecken, der will.i.am & Co erwartet hat.

Und falls euch selbst das nicht davon abhält, “Delta Kream” für das Fergie-Comeback-Album zu halten, sendet uns gern euren ersten Hörbericht zu, das fühlt sich sicher so an, als hätte man schicke neue Sneaker bestellt und bekäme Sandalen zugeschickt. Bequeme, passgenaue Sandalen, um genau zu sein.

“Delta Kream” wirkt nämlich wie das albumgewordene Sprichtwort des eimerbedeckenden Arsches. The Black Keys traben mit einem derartigen Stolz und einer spürbaren Begeisterung für das Rohmaterial, das unter anderem Songs von Blues-Urvater und Genre-Guru Mississippi Fred McDowell und seinen Zeitgenossen Ranie Burnette und R.L. Burnside umfasst, durch “Delta Kream”, dass man kaum daran vorbeikommt, die Neuinterpretationen, die nun teilweise über ein halbes Jahrhundert nach den Originalen veröffentlicht wurden, mit den Urheber-Versionen abzugleichen.

Das Delta-Blues-Flair, auf das der Titel “Delta Kream” anzuspielen scheint, haben die Black Keys nicht für ihre Best-Of-Kompilation übernommen, dafür drängen elektrischer Gitarre, Bass und Drums zu sehr in den Mittelpunkt der Musik, die damals regelmäßig nur den Dialog zwischen Akustikgitarre und Gesang darstellte.

Im Gegenteil, “Delta Kream” wirkt nicht wie ein Cover-Album, sondern wie der gelungene Versuch einer Adaption:

Der Adaption eines damaligen Genres an das Gefühl und den Sound einer Rockband, der Adaption einer Art des Musikschaffens, die vom Live-Konzert lebte und zehrte, in eine Zeit, die das Studio zum sicheren Rückzugsort der erstarkenden Kulturszene hat werden lassen und – schlussendlich – einer Adaption von Fans, für die eigenen Fans, ein Vermittlungsgesuch zwischen den Zeiten.

Und da fällt es uns auch gleich viel leichter zu verstehen, warum der Name der Black Keys so gern vergessen wird. The Black Keys stellen sich selbst nicht in den Mittelpunkt, und werden sicherlich trotzdem mit einem Album aus lang vergessenen Songs Erfolg haben.

Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Login

Werde MusikBlog-Mitglied!

Dir hat der Artikel gefallen und du möchtest ihn dir merken oder als Favorit für deine Charts markieren? Werde einfach MusikBlog-Mitglied und klicke auf Mein Favorit. Auf der Mein MusikBlog-Seite findest du alle deine Favoriten und kannst sie dort sortieren.