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Tuvaband – Growing Pains And Pleasures

Die Gründe, die für einen persönlichen Doomsday sprechen, sind vermutlich so vielfältig, wie die Präferenzen für dessen akustischen Rahmen. Diejenigen, die bei solchen Anlässen zur Melancholie tendieren, lagen mit den bisherigen Tuvaband-Veröffentlichungen für diesen Anlass grundsätzlich nicht falsch, auf dem neuen Album “Growing Pains & Pleasures” hat Tuva Hellum Marschhäuser dem Umgang mit einem Katastrophen-Tag gleich einen ganzen Song gewidmet.

Die beim letztjährigen Reeperbahnfestival für den Anchor-Award nominierte Norwegerin entführt mit den ersten Tönen vom „Growing Pains & Pleasures“ in ihre sphärische Klangwelt, in eine Sicherheitszone, in der die Grenzen von Einsamkeit und bewusst gewählter Distanz verschwimmen.

Dass einer der neuen Songs „Post-Isolation“ heißt, ist dabei nur unwesentlich dem Umstand geschuldet, dass diese Produktion unter dem Pandemie-Eindruck entstand, war ihr Selbstexil in der Wahlheimat Berlin doch bereits Kernthema des Prä-Corona Vorgängers.

Vom Opener „Growing Pains“, dessen Text tatsächlich der erste war, der für Platte verfasste wurde, rückt die Suche nach sozialer Neuorientierung der Künstlerin in den Fokus. Mit “I’ll Look Elsewhere Now” beschreibt sie auf ihrem Weg aus dem Selbst-Lockdown treffend den Aufbruch.

Musikalisch vereint „Growing Pains & Pleasures“ alles, womit das schwebende von „Soft Drop“ und das wuchtige von „I Entered The Void“ punkteten, fast die darauf fixierte Affinität zu Dream-Pop, Slow-Core und Shoegaze zusammen, wobei Dreh- und Angelpunkt die Stimme Marschhäusers bleibt, die so fragil wie energetisch die Szenerie beherrscht, ihr Gesang emotional aufgeladene Bilder assoziiert.

Neben spartanischen Passagen in den Arrangements geht es in „When I Came Out“ verhältnismäßig opulent zur Sache, kracht bei „Fully Mature Things“ das Feedback der Gitarren durch den Background, lockt „Irreversible“ mit verhaltenem Pop-Appeal und fasst „Annie Blackburn“ all diese Komponenten zusammen.

Nachdem das kraftvolle „Blue“ verklungen ist und „Serotonin“ ausgeschüttet wurde, steht für Tuvaband am Ende neben einem zukunftsweisenden „Be Fine“- Resümee auch ein Album zu Buche, auf dem sie sich nachdrücklich als variable Songwriterin empfiehlt.

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