Ethan Gold – Earth City 1: The Longing

Wer in den vergangenen Jahren im Kino war, der weiß, dass ein Film selten alleine kommt. Meistens zieht er noch mindestens zwei Fortsetzungen nach sich. Vielleicht hat sich Ethan Gold – der nicht nur Indie-Musiker, sondern auch Filmkomponist ist – vom Kino inspirieren lassen.

Denn sein neues Projekt „Earth City“, das erste Studioalbum seit vier Jahren, ist nicht nur ein einzelnes Album, sondern gleich drei.

Bei „Earth City“ soll es um das „zivilisatorische Ying und Yang“ gehen, das wir heute erlebten, erklärt der Künstler: dass einerseits die Welt digital viel vernetzter ist als früher, wir uns andererseits aber doch mehr voneinander abgekapselt fühlen.

Im ersten Teil „The Longing“ erkundet der Kalifornier nun das Gefühl der Sehnsucht, Teile 2 und 3 sollen im Frühjahr und Sommer 2022 folgen.

Das klingt verdächtig danach, als habe nun nur wieder der nächste Künstler seine Corona-Erfahrungen verarbeitet. Und hey, wollen wir uns auch noch in einem Jahr depressive Songs über die Corona-Vereinzelung anhören?

Zwar sei das Projekt laut Gold lange vor der Pandemie entstanden. Trotzdem ist das Thema der menschlichen Entfremdung in der digitalen Welt vielleicht kein ganz frisches mehr.

Das muss der Musik nicht unbedingt einen Abbruch tun. Und die ist auch lang nicht so düster und dystopisch, wie es das Thema vermuten lässt. Neben sanftem Gitarren-Folk im Stile der Kings of Convenience („It’s Okay, Sid“) ist da auch der ein oder andere lockere Popsong, etwa der Opener „Bright & Lonely City“. Oder „Pretty Girls“, der all denen gewidmet ist, die sich nie schön genug – oder zu schön – fühlten, um gesehen zu werden.

Klavierballaden wie „It’s Never Enough“ oder „Living Without You” hätten auch gut auf ein frühes Keane-Album gepasst. Das Klavier im Schlussstück „In New York“ ist schließlich ein Jazz-Piano: Der Song, sicherlich eins der Highlights auf dem Album, versetzt in eine Kellerbar nachts um 2 in die Stadt, die niemals schläft.

Teil 1 ist also durchaus ein Ticket wert. Ginge es hier um eine Filmtrilogie, würde Teil 2 in den meisten Fällen nur noch so naja ausfallen, Teil 3 braucht sowieso niemand mehr. Es ist davon auszugehen, dass sich Ethan Gold bei seinem Alben-Dreiteiler in dieser Hinsicht nicht nach dem Kino richtet.

Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Login

Werde MusikBlog-Mitglied!

Dir hat der Artikel gefallen und du möchtest ihn dir merken oder als Favorit für deine Charts markieren? Werde einfach MusikBlog-Mitglied und klicke auf Mein Favorit. Auf der Mein MusikBlog-Seite findest du alle deine Favoriten und kannst sie dort sortieren.