Social Distancing stellt die Welt schon seit viel zu langer Zeit vor Probleme. Mittlerweile vermisst wahrscheinlich schon die introvertierteste Person große Menschenmengen. Passend zur Wiedereröffnung der Außengastronomie haben Fehlfarben mit ihrer neuen Single „Kontakt“ eine zeitlich perfekt geplante Ode an die zwischenmenschliche Tuchfühlung am Start.

Im März gaben die Düsseldorfer/Wuppertaler nach sechs Jahren Stille mit dem Lied „Supergen“ ihr Comeback. Darauf klingen Fehlfarben noch um einiges energischer und wütender während sie die gesamte Nation zum Impfgang animieren. Die Bemühungen haben sich ausgezahlt: Die Gastronomie darf die Sonnenschirme aufstellen und Fehlfarben dürfen wieder etwas runterkommen.

„Kontakt“ ist einfach und ruhig gehalten. Ein simpler Drumbeat, dezente Percussion-Samples untermalen schlichte Gitarren-Licks. Die später einsetzende Orgel und das Saxophon-Solo geben dem Song eine lässige Note und lenken von den etwas einsilbigen Lyrics von Sänger Peter Hein ab: „Kontakt mit dem Regen/ Kontakt mit dem Ball/ Schön, dass wir uns wieder sehen/ Schön, dass wir uns gut verstehen“.

Bei all der Euphorie, endlich wieder halbwegs unter Leute kommen zu können, wirft Hein aber noch eine nachdenkliche Strophe ein und erinnert an die Leiden, die Covid-19 verursacht hat: “Kontakt mit den Geistern/ Kontakt mit dem Grab”.

Unterschwellig schwingt dann eben doch noch der Zweifel mit, ob wir tatsächlich schon das Schlimmste hinter uns gelassen haben. Kontakt, ja. Aber bitte nicht übermütig werden.

Die Lo-Fi-Note, die sich über die gesamte Single streckt, unterstreichen Fehlfarben mit dem dazugehörigen Video. Mit dem erstbesten Schnittprogramm und den rudimentärsten Film-Skills wurden Kontakte in jeder erdenklichen Konstellationen aneinander gereiht:

Tiere, Menschen – V.I.P.s oder aus der Stock-Footage-Sammlung – aber auch Roboter und Fahrzeuge demonstrieren darin ihre Nächstenliebe.

Vom krachenden Sound von Punk-Bands wie Mittagspause, DAF und S.Y.P.H. aus denen Fehlfarben 1979 hervorgegangen ist, ist mittlerweile nichts mehr zu erkennen. Mit der immer deutlich werdenden Altersmilde wird das Sextett bald ihre Arbeit zum neuen Album fortsetzen.

Die Wartezeit bis zur Veröffentlichung vergeht durch das ein oder andere Bier im Schanigarten der Wahl sicherlich wie im Flug.

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