Beinahe zur Halbzeit des Jahres kann man sich über die Höhepunkte schon mal Gedanken machen, die am Ende erinnerlich bleiben werden. Der Australier Nicholas Allbrook und seine Band Pond sorgen mit der druckvollen Scheibe „Terrestrials“ für einen unausweichlichen Anwärter auf die Bestenlisten 2026 – egal, was noch kommen möge.
Pond, zu Deutsch Teich, Tümpel, spielen im Album-Titel „Terrestrials“, mit ihrem eigenen Gruppennamen. „Terrestrials“ bedeutet „Landtiere“. Zwischen Wasser und Land ist eines klar: Wenn ihre Musik eines ist, dann sicherlich gut geerdet.
Während Pond angeben, von Krautrock aus dem Kreise von Can und von Art-Pop-Bands inspiriert zu sein, klappert, wummert und groovt es doch ordentlich im Geiste von Post-Glam-Rock, Post-Punk, New Wave, Shoegaze und Arena-Sound, Marke The Killers.
Innerhalb der Messerschärfe aller zehn Tracks fällt die Punk-Kompetenz und rhythmische Wandelbarkeit des Drummers Jay Watson als einer der markantesten Faktoren bald ins Auge beziehungsweise geht angenehm ins Ohr.
Angenehme Melodien transportieren das trockene Understatement eines Bob Geldof oder Robert Palmer aus den frühen Achtzigern ebenso wie den explosiveren Charme von XTC.
Das Titelstück „Terrestrials“ und das Eröffnungslied „Skyworks“ lassen auf subtile Art noch ältere Referenzen anklingen: Garage, Mod und Psychedelic aus den Sechzigern.
Die Herren aus Perth kleiden diese Spielarten in einen modern produzierten Stil, der zwischen sehr geradlinig spielenden Festival-Bands wie Rolling Blackouts Coastal Fever, Geschichtenerzähl-Rock wie Kiwi Jr. und vielschichtigem Post-Punk wie von Exsonvaldes pendelt.
Sechzehntel mit Sprüngen im zauberhaften „Tourmaline“ oder geballte Schwere, Stereo-Links-Rechts-Verteilung der Kickdrum-Schläge im Stadion-Rock des Titellieds – stets mag man mit mindestens einem Fuß mit wippen. „The Fatal Shore“ hämmert und pumpt die Bass-Schläge so, als wäre es wieder 1985.
Nick Allbrook changiert im Gesangsstil zwischen zutraulichem Falsett wie im Brit-Pop „Nashville (I’m Dying)“ und Ian McCullochs Timbre in „Personal Hell“. Diese Ähnlichkeit passt zum Anliegen von Pond, sich mit dem Album vornehmlich an Gothic-Fans zu wenden.
In Abgrenzung zu den vorigen Alben des Quintetts überwiegen Schärfe und Basslastigkeit gegenüber psychedelischen Untertönen, die man nunmehr sehr latent vorfindet. Man habe „Pink-Floyd-Kram“ dieses Mal bewusst aus dem Schaffensprozess ausgeschlossen, kommentieren Pond.
Zum Peppigen ihrer neuen Platte gehören auffällige Hinhör-Momente wie mit den Wörtern „goodnight“ und „sky“ in „Two Hands“. Hier dehnt sich das „ei“ in beiden Wörtern extrem ähnlich zu dem von „Polizei-ei-ei-ei-ei“ im Klassiker „Polizisten“ von Extrabreit.
In jedem Fall ist der Retro-Ausflug in die 1980er rundum authentisch gelungen, gleichwohl er die sonst damals dominierende Elektronik (sogar diejenige von der gleichnamigen Ost-Berliner Band Pond) außer Acht lässt.
„Terrestrials“ bringt positive Errungenschaften jenes Jahrzehnts zu neuer Blüte, bietet starkes Songwriting und wirkungsvolle Arrangements. Von „Through The Heather“ bis „Rosebuck Plains“ gilt:
Die erstmals über ihr Eigen-Label Mangovision publizierenden Pond feuern Anspieltipps am laufenden Band ab.
