Fritzi Ernst – Keine Termine

Keine Termine und viel Zuhause sein. Während andere Menschen sich neue Corona-Hobbys suchten, nutzte Fritzi Ernst die Zeit für ihr altes Hobby: das Musikmachen.

Dass es mit Schnipo Schranke seit 2019 vorbei ist, muss nämlich nicht heißen, dass mit der Musik auch Schluss ist. Während die eine Band-Hälfte, Daniela Reis, mit ihrer neuen Formation Ducks On Drugs ihr Ding macht, startet Fritzi Ernst nun eine Solo-Karriere.

Ihr Debütalbum „Keine Termine“ hat eine ähnliche Energie, wie man sie auch von dem Duo kennt – aber konzentriert auf Klavier und mit weniger “Pipi-Kaka”-Texten. Mit dem akustischen Klavier im Mittelpunkt zeigt Fritzi Ernst, wie vielseitig dieses klassische Instrument ist, und wie man damit nicht nur gefühlvolle Balladen, sondern auch dynamische und mitreißende Songs kreieren kann.

So erinnert der Titeltrack beispielsweise an die Kollegen Kraftklub. Nur statt E-Gitarren gibt es eben nur ein Klavier. Auch „Außer mir“ ist so ein Indie-Pop-Song, der zeigt, dass Fritzis Lieblingsinstrument sowohl die Basslinien als auch Akkorde und Melodien spielen kann.

Abwechselnd traurig und fröhlich vermitteln die ehrlichen und direkten Texte der Hamburgerin ihre Stimmungen: Apathie und Lustlosigkeit, soziale Phobie, ansteckende Wut, aber auch die Gefühle, die man hat, wenn man anfängt, eine Person sehr zu mögen.

Die Platte wirkt insgesamt wie ein Tagebuch. Vielleicht stehen hier keine Termine drin, aber verschiedene Erinnerungen, Erlebnisse und Emotionen. Fritzi Ernst schreibt einen kurzen Text darüber, setzt sich ans Klavier und nimmt das Ganze auf.

Die rohe Qualität und die meist minimalistischen Arrangements vermitteln eine Spontanität, von der das Album lebt. In „Höhle“ kann man sich richtig gut vorstellen, wie die Musikerin in ihrer Wohnung am Klavier sitzt und über ihr Zuhause singt.

In „Doofer Tag“ kann man sogar den Aufnahmeprozess beobachten: Unterschiedliche Drum-Samples und Geräusche werden ausprobiert, bevor sie in den Song integriert werden.

Nur ganz zum Schluss gibt es mit „Ich weiß“ noch einen ausführlicher produzierten Track, mit vielen elektronischen Elementen, die das Klavier immer mehr überschatten. Genauso wie die besungenen Glücksgefühle die Traurigkeit überschatten.

„Ich liebe die Routine, jeden Tag keine Termine“ – hoffentlich schafft Fritzi Ernst es, sich wenigstens fürs Songschreiben aus dem Bett zu quälen, um uns weitere solcher Deutsch-Pop-Juwelen zu schenken.

Facebook
Twitter

Schreibe einen Kommentar

Login

Werde MusikBlog-Mitglied!

Dir hat der Artikel gefallen und du möchtest ihn dir merken oder als Favorit für deine Charts markieren? Werde einfach MusikBlog-Mitglied und klicke auf Mein Favorit. Auf der Mein MusikBlog-Seite findest du alle deine Favoriten und kannst sie dort sortieren.