Liz Phair – Soberish

Mit den ersten Akkorden von „Spanish Doors“, der ersten Single vom neuen Liz-Phair-Album “Soberish”, erinnerte die Juke-Box im Langzeitgedächtnis umgehend an „Polyester Bride“, den Hit von ihrem Album „Whitechocolatespaceegg“.

1998 erschien dieser Song, fünf Jahre nachdem die, in der Chicagoer Szene sozialisierte Songwriterin, mit „Exile In Guyville“ den Herren der Indie-Schöpfung Allmacht-Träume musikalischer Wertschöpfung austrieb.

Die ganz große Wirkung des Debütalbums blieb in der Folge unerreicht, trotzdem erreichten weitere Platten Gold-Status, wenngleich Fan-Puristen zumindest mit den Alben der Nuller-Jahre ihre Probleme hatten.

Nach der letzten Ausgabe „Funstyle“ 2010 machte sie sich 11 Jahre mit neuen Veröffentlichungen im LP-Format rar, beschäftigte sich mit Filmmusik und den eigenen Memoiren („Horror Stories“), um nun mit „Soberish“, produziert von dem für ihre ersten Werke verantwortlichen Brad Wood, hörbar motiviert zurückzukehren.

„Everyone`s got a maze inside their heart, the best we can do is pick a place to start“ spricht eingangs der Titeltrack, und in diesem Sinne beeindruckt Liz Phair wieder als die starke Persönlichkeit, die auch weniger Vorteilhaftes aus dem Autobiografischen in Nummern wie „Dosage“ zukunftsträchtig ausbalanciert und weiterhin – siehe „Bad Kitty“ –  einen offenen Umgang mit Sexualität pflegt.

Dass die Nummer „Hey Lou“, eine Hommage an die Liebe von Lou Reed und Laurie Anderson und visualisiert mit einem rührigen Handpuppen-Video, durchaus als Metapher für Lebenssituationen, die abrupt nach Neuorientierung verlangen, verstanden werden kann, legt manche Zeile nahe.

Im Indie-Pop-Kerngeschäft gewohnt sicher unterwegs, gibt die 54-Jährige den neuen Songs neben traditionell selten herkömmlichen Strukturen auch eine moderate Frischzellenkur mit auf den Weg.

So finden elektronische Effekte, lässiger Pop, R’n’B – Avancen und Arrangements im 60s-Style ihren Platz, klappert die Gitarre einsam durch die „Sheridan Road“ und seufzt das dekorative Cello leise zu „Ba Ba Ba“.

Als „Rain Scene“ plätschert die Platte davon, die nun nur noch schemenhaft vernehmbare Liz Phair wird in den kommenden Jahren hoffentlich präsenter bleiben als in der vergangenen Dekade.

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