Vince Staples – Vince Staples

Die Aufmerksamkeitsspanne der Bevölkerung wird immer kürzer. Vince Staples passt sich an und hält sich auf seinem selbstbetitelten, vierten Album möglichst kurz. Sein Talent als Storyteller scheint dabei zwar durch, aber das Gesamtwerk wirkt letztendlich skizzenhaft.

Der Amerikaner vergisst niemals, wo er herkommt. Die immer wieder aufkommenden Referenzen zu seiner Heimatstadt Long Beach sind für ihn eine ständige Erinnerungen, nicht abzuheben. Vince Staples präsentiert sich dabei überwältigt von seinem Ruhm.

Wie etwa in „Law Of Averages”, wo er die Kontraste zwischen Armut und Reichtum, die er erlebt hat, beschreibt: „Cherry Ave, Downey Ave, ho, you average / Louis bag, Gucci bag, you got baggage“.

Die Last, die sein Erfolg mit sich bringt, führen zu immer wieder aufkommenden Zweifeln. Die Gedanken an seine auf der Strecke gebliebenen Freunde aus Long Beach rütteln ihn wach, so zum Beispiel im Opener „Are You With That?“:

„Whenever I miss those days/ Visit my Crips that lay/ Under the ground, runnin’ around“. Solche drastischen Beispiele würden wohl auch dem härtesten Rapper dabei helfen, bescheiden zu bleiben.

Ohnehin ist der 28-Jährige immer noch ein schüchterner Junge von der Straße. Zumindest stellt er sich selbst so dar. In „Sundown Town“ schildert er seine Überforderung, wenn er mit seinen Anhänger*innen in Kontakt kommt: „Hangin’ on them corners, same as hangin’ from a ceiling fan/ When I see my fans, I’m too paranoid to shake they hands“.

Einblicke wie diese ziehen auf dem Album schnell an den Hörer*innen vorbei. Mit knapp unter 22 Minuten ist es ähnlich lang wie der Vorgänger „FM!“. Eher die Länge einer EP als einer LP. Dass Vince auch tatsächliche Full-Length-Werke veröffentlichen kann, hatte er noch auf seinem Debüt „Summertime ’06“ 2015 gezeigt, welches noch fast eine Stunde dauert.

Durch die kurz geratenen Titel wirkt das Album unausgereift und teilweise sogar uninspiriert. Tracks wie „The Apple & The Tree“ und “Lakewood Mall“ sind eher Skits und enthalten keine Rap-Parts. Das Release musste also auch noch gestreckt werden, um überhaupt von einem Album sprechen zu können.

Der unvollendete Charakter der Platte liegt allerdings weniger an den Texten oder der Delivery von Vince Staples, sondern an den Beats. Für die Produktion war Kenny Beats hauptverantwortlich. Dieser hat zwar schon mit dem Who’s who des heutigen Hip-Hops (Freddy Gibbs, JPEGMafia, Slowthai, Denzel Curry…) und genre-fremden Größen wie den Idles, FKA twigs und sogar Ed Sheeran zusammengearbeitet. Seine Erfahrung blitzt in diesem Beispiel aber nur selten auf.

Die meisten der insgesamt zehn Titel verpuffen nach circa zwei Minuten im Nichts. Highlights wie die Gesangssamples in „Sundown Town“ oder die orientalischen Bläser-Einsätze in „Lil Fade“ sind Ausnahmen und somit bleibt Vince Staples’ Album weit unter seinen Möglichkeiten.

Die gute Nachricht: Sein nächstes Album „Ramona Park Broke My Heart“ steht anscheinend schon in den Startlöchern und soll noch in diesem Jahr erscheinen. Vielleicht gibt er seinen Songs dieses Mal mehr Zeit zur Entfaltung.

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