Joachim Franz Büchner Band – Live im Molotow, Hamburg

19:00 Uhr, Einlass schon lange begonnen. Es hört auf in Strömen zu regnen, also doch raus aus dem Haus. Prozedere im Molotow wie gewohnt. Test, Maske, Erklärungen, Begleitung an den Sitzplatz. Kaum ein Ort fühlt sich über die Monate der Pandemie hinweg so konsequent respektvoll an.

Dem Wetter trotzend gut gefüllt. Gut, dass überall Schirme stehen. Das (leider) letzte Stück der Hamburger Künstlerin L Twills beginnt. Dunkle Elektronik wabert durch den Innenhof, weckt den Bedarf auf mehr davon.

Umbau und es geht los. Der Name Joachim Franz Büchner Band zeigt klar, wer der Initiator ist. Joachim Franz Büchner von Der Bürgermeister Der Nacht hat eine neue, vierköpfige Supergroup geformt, mit Philipp Wulf (Messer, Station 17), Pola Lia Schulten (Jens Friebe, Zucker) und Christian Heerdt (Botschaft, Scharping).

Vor lauter Vorfreude spielen sie das Releasekonzert zum Debütalbum “Ich bin nicht Joachim Franz Büchner” über einen Monat zu früh (die Platte erscheint erst am 24. September).

Der namensgebende Multiinstrumentalist und Sänger im goldenen Kuschelpulli am Mikro. Alles noch etwas steif, die Einsätze wirken gezwungen, Stimmung auf der Bühne nicht entspannt. Das löst der Austausch eines kaputten Monitors. Auch der unmotivierte Industrial-Noise ist jetzt weg. Sound und Bühnen-Dynamik scheinen gleichermaßen repariert.

Nach dieser Hürde geht es wirklich los. Live deutlich druckvoller als die Vorab-Videos haben erahnen lassen. Trockene, kräftige Drums, der Bass treibt. Die zweite Stimme von Pola Lia Schulten am Synthie bleibt etwas zurückgesetzt. Dadurch nicht weniger elementar für die Komposition.

„Der Habicht Im Netto“ fliegt nicht, sondern stampft kräftig über die Biertische. Stimmungshöhepunkt mit tanzbarer Kraft und sarkastischer Ironie.

Zur Abwechslung eine Portion Psychedelik. Sanft ziehende Melodien als Instrumental, darüber die Trompete. Beide Stimmen nur als Instrument eingesetzt. Man verliert sich im Loop und erwartet kein Ende. Irgendwann doch Text. Pola kann nicht nur schön – dunkel bedrohlich ist auch im Repertoire.

Klassischer Indie bekommt mehr Gewicht. „Bottom Of The Tops“ beginnt als gesprochenes Gedicht zu nettem Klimpern. Selbst -reflektion, -bewertung oder -erhebung zu beruhigend einlullender Melodie.

Zum Abschluss geht die Temperatur nochmal gut nach oben, damit auch alle wach bleiben. Als Zugabe eine passende Version von „Nights In White Satin“ von The Moody Blues.

Backstage explodiert die ehrliche, überschwängliche Freude der Band. Feuchte Augen und Umarmungen wollen kein Ende nehmen. Mit diesem ersten gemeinsamen Konzert mehr als wohlverdient.

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