Zusammen Leuchten Festival 2021

Zwar herrschte bis zuletzt immer wieder Unsicherheit zwischen strahlendem Sonnenschein und plötzlichem Platzregen. Am Tag des Zusammen Leuchten Festivals in Bonn wurde allerdings deutlich: Die Menschen sind tatsächlich zum gemeinsamen Strahlen zusammengekommen – komme, was da wolle.

Nach dem pandemiebedingten Ausfall der 2020er Ausgabe stehen die Zeichen auf Festival-Nachholbedarf: Auf dem Gelände, das eine Mischung aus Festival- und Biergarten-Areal ist, kann man gar nicht anders als sich wohl und entspannt zu fühlen.

So schon hätte man einen guten Tag zwischen dem Meer aus Strandstühlen und Bierbänken vor der Bühne, sowie mit kompakten Kunstaustellungen und einer charmanten Festivalstand-Kultur im Kleinformat. Hinzu kommt allerdings das liebevoll zusammengestellte Line-Up.

Den Anfang am Mittag machen Schorl3 mit ihrem dekadent anmutenden Funk-Pop, der hervorragend zu ihren pastellfarbenen Anzügen passt. Sängerin Mele zieht nach, macht zwischen beat-lastigem R&B und Power-Pop Tanzlaune auf dem sich langsam füllenden Gelände.

Beide Acts kennen sich und nutzen deshalb die Gunst der Stunde: Während des Sets von Schorl3 kommt Mele auf die Bühne, um den gemeinsamen Song “Es liegt an dir” zu performen – nicht der letzte Gastauftritt des Tages.

Dann geschah es mitten im Set von CHILDREN: Die Elektro-Pop-Band aus Berlin singt “ich warte auf den Regen” im Song “Dschungel” – und der Regen kam: Ein plötzlicher, kurzer Schauer durchnässt das Publikum, das sich allerdings in weiser Voraussicht in Regenponchos verschiedenster Farben einwickelte.

Zwei Songs später ist der Wolkenbruch allerdings wieder vorbei und CHILDRENs Synth-Indie-Disco geht ungehindert weiter.

Wer den luftleeren Raum zwischen den Acts füllen möchte, begibt sich zum anderen Ende des Geländes: Dort steht die Kleinkunstbühne, die in den Umbaupausen mit Jonglage, Tanzeinlagen und Akrobatik bespielt ist.

Auch ein Stand zum Selbstbasteln von Blumenkronen und eine Schminkstation sind vorhanden – auch mit den Limitierungen tut Zusammen Leuchten alles für ein zauberhaftes Festival-Flair. Dazu tragen auch die Lichterketten bei, die passend zum Namen des Festivals verteilt werden.

Rapper Mädness aus Hessen lässt dem Publikum gar keine Gelegenheit sich hinzusetzen: Sein entspannter Conscious-Rap lässt lässiges Tanzen zu, seine kritischen und ausgefeilten Texte jenseits aller sonst bekannten Deutschrap-Problematiken geben den feierwütigen Zuschauer*innen den Rest.

Der Preis für die Band mit dem größten Smoothness-Faktor des Tages geht jedoch eindeutig an RIKAS.

Zwischen Daft Punk, Bilderbuch und Stevie Wonder raunen sich die Stuttgarter soulig durch ihre äußerst coolen Jangle-Disco-Pop-Songs.

Mit einer selbstironischen Leichtigkeit verbindet die Band tanzbare 70s-Vibes mit postmoderner Selbstwahrnehmung – die Grenzen zwischen Persiflage und Retro-Tanzparty lassen RIKAS verschwimmen.

Die vorletzte Band von Zusammen Leuchten 2021 ist Blond – und das Trio sprengt jegliche Grenzen und Schubladen, wenn es um Liveshows geht.

Wenn nicht gerade mit Elan punkiger Glam-Rock über Menstruation, toxische Männlichkeit und Spinat zwischen den Zähnen abgefeuert wird, veranstalten Gitarristin Nina Kummer und ihre Schwester und Schlagzeugerin Lotta (beide die Halbschwestern von Felix Kummer) Gymnastik-Einheiten inklusive rapider Outfit-Wechsel, Live-Radiowerbung für ihr Merch oder spontane Rap-Kollaborationen mit CHILDREN und RIKAS.

Letztere treten zum Ende des Sets nochmals auf, als Blond zum Abschluss eine Klavier-Version von “Tell Me Why” der Backstreet Boys zum Besten geben.

Zwischenzeitlich setzt der Regen wieder ein, weswegen das Gelände beim Headliner Provinz unweigerlich zur Schlammlandschaft wird.

Dadurch lässt das Publikum sich allerdings nicht beirren und empfängt das Quartett, das trotz Pandemie seinen Hype aufrechterhalten und sogar bestätigen konnte, gebührend.

Die Zuschauer*innen sind textsicher, singen von vorne bis hinten mit und lassen sich die Regendusche nicht anmerken, während der kraftvolle, emotionale und vom Klavier getragene Power-Pop der Band sich durch die Reihen peitscht.

Man hängt Sänger Vincent Waizenegger bis zuletzt an den Lippen, saugt jedes Wort auf, lässt sich von den Songs über das Heranwachsen, über Liebe und Schmerz tragen und findet sich nach dem großen Finale durchnässt, aber glücklich wieder.

Widrige Zustände ließen nicht immer auf ein großartiges Livemusik-Erlebnis hoffen – trotz Pandemie und schlechtem Wetter brachte Zusammen Leuchten dennoch viel Sonnenschein und Festival-Feeling mitten in die ehemalige Hauptstadt.

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