Die Fantastischen Vier – Live auf der Tunierwiese, Manderscheid

Normalerweise ist die einzige Live-Musik, die jemals die Manderscheider Niederburg beschallt, klanglich vor allem durch Dudelsäcke geprägt. Und selbst die blieben zwei Jahre in Folge still. Denn das Burgenfest, das das malerische Tal in der Eifel traditionell am letzten Augustwochenende in eine lebendige Mittelalter-Kulisse verwandelt und mit Ritterturnieren, Gauklern und allem was dazu gehört Tausende von Besuchern anlockt, musste aufgrund der Pandemie abgesagt werden.

Umso schöner, dass am gestrigen Samstag mit Die Fantastischen Vier doch noch Leben einzieht. Wenn man diese Location sieht, fragt man sich, warum hier nicht öfter Konzerte oder gar Festivals stattfinden. Der Ort scheint wie dafür gemacht.

Die 1.500 Zuschauer schlendern vor Konzertbeginn entspannt zwischen Bühne und Essens- und Getränkeständen hin und her und verteilen sich perfekt auf der weitläufigen Wiese, die durch einen kleinen Fluss eingeschlossen ist und von der Burgruine bewacht wird. Kaum vorstellbar, dass auch dieses kleine Flüsschen vor einigen Wochen komplett geflutet war und die Holzhütte, die heute zum Backstagebereich umfunktioniert wurde, unter Wasser stand.

Thomas D bezeichnet sich mittlerweile schon selbst als Eifler, der gebürtige Stuttgarter lebt schon seit vielen Jahren gemeinsam mit seiner Familie in einer selbstgegründeten Kommune im Grünen und verkündet im Laufe des Abends mehrfach euphorisch: „Das ist meine Hood hier“, was das Publikum mit lautem Gejubel quittiert.

Sowieso ist Euphorie das Wort des Abends. Womit auch gleich die Frage beantwortet wäre, die Die Fantastischen Vier, verstärkt von ihrer großartigen Live-Band, mit ihrem zweiten Song stellen: „Was geht?“. Einiges!

Die Fantastischen Vier spielen sich einmal quer durch ihre Karriere und lassen keine Gelegenheit aus, um ein paar Kommentare dazu abzugeben: „Diese Flutkatastrophe war so furchtbar. Wir danken wirklich allen Leuten, die mit angepackt und geholfen haben. Was soll ich sagen? Zum Glück: Sie ist weg“, sagt zum Beispiel Smudo.

Michi Beck geht gar so weit, der Turnierwiese die Erfindung des Picknicks zuzuschreiben: „Diese Leute, die auf diesen zwei Burgen gewohnt haben. Die hatten immer so einen weiten Weg, wenn sie sich mal treffen wollten. Diese ganzen Treppen hoch, noch über diesen Fluss. Bis eines Tages jemand die Idee hatte: Lass uns einfach diese Wiese mähen, eine Decke mitbringen und uns in der Mitte treffen und da essen“. Was folgt ist klar: „Der Picknicker“.

Vom Picknick geht’s dann mit entspannten Klängen direkt zum “Tag am Meer”, wofür sich Smudo, Michi Beck und Thomas D. am Bühnenrand auf Barhocker niederlassen.

Von „Endzeitstimmung“ ist heute Abend wenig zu spüren, aber trotzdem nutzt Smudo die Gelegenheit, um auf die anstehende Wahl hinzuweisen, das Kreuzchen an der richtigen Stelle zu machen und sich von den Idioten nicht in den Wahnsinn treiben zu lassen.

Auch zur Impfung hat er einen Kommentar parat: „Ich bin Fan. Ich habe mir schon viel krasseres Zeug reingepfiffen, da mache ich mir bei sowas bestimmt keine Sorgen“.

Nachdem zur ersten Zugabe Thomas D allein die Bühne betritt und sich zu den wummernden Bässen von „Krieger“ sein Shirt vom Leib zieht und anschließend mit Tunnelblick oberkörperfrei performt, kommen zum großen Finale nochmal alle Fantas auf die Bühne.

Nach „Zusammen“ beenden die gebürtigen Stuttgarter ihr Set mit „Troy“.

Und an dem Abend sind sich alle einig. Auch wenn die Fantastischen Vier in den letzten Jahren nicht mehr unbedingt zu den Relevantesten in der Hip-Hop-Szene gehörten und man über die Pop-Liebeleien denken mag, was man will, bleibt man den Vieren für solch nostalgische Abende doch gerne treu.

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