DŸSE – Widergeburt

DŸSE rütteln ganz gewaltig am Ohrfeigenbaum und lassen offen, wer die Schellen fängt. Sie selbst, der Hörer oder Bertold Brecht? Am Ende haben alle mindestens eine zu viel auf den Kopf bekommen.

Gestatten: „Links oder rechts, neutral, das heißt aufs Maul, zweimal“. Vorhang auf für den “Wolf im Wolfspelz“.

„Widergeburt“ ist das fünfte von fünf verrückten Alben des Berliner Kamikaze-Duos. Entzückendes Tohuwabohu. Ein Satz wie „Die Panzer kommen, ich bleib einfach stehen“ ist noch das Plausibelste unter einem Scherbenhaufe der Kryptografie.

Und selbst hier liegt eine verdrehte Wirklichkeit im Pfeffer. Denn eigentlich donnern DŸSE selbst als Kettenfahrzeug über jegliche Etikette hinweg. Chapeau, wie sie dabei ihr gepanzertes Sound-Ungetüm zu zweit steuern.

Keine Ahnung. Hyperaktivität? Die Kollateralschäden scheinen Teil der Route: „Höllenjunge“!

„Der Haifisch Die Zähne“ borgt bei Bertold Brechts “Die Dreigroschenoper” und dreht in der Auslegung völlig frei. „Das Fester, der Sprung/ Der Haken, der Biss/ De de de de de die Forelle, de de de de de der Bach.“

Und weil es um mehr geht als Dadaismus für Sprachbehinderte, brüllt entweder Sänger und Schlagzeuger Jarii van Gohl oder Sänger und Gitarrist Andrej Dietrich was auf Englisch dazwischen. Womöglich stimmt beides.

Wer sich lediglich den Gehörgang durchpusten lassen wollte, hat danach nur noch Kirmes in der Birne. Der „Ameisenhandschuh“ ist wohl einer der treffendsten Titel, um das zappelnde, oft sehr unangenehme, aber doch höchst interessante Treiben von „Widergeburt“ zu veranschaulichen.

Es gebe noch eine Reihe anderer Tiere: Ein Opposum auf Kokain im Treibsand des Alternative-Rock, ein hakenschlagendes Karnickel auf krummen Progrock-Takt-Pfaden, ein zerfleddertes Huhn, das zuckend Thrash-Metal-Körnchen pickt.

„Du musst DŸSE werden“, um das zu verstehen.

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