Vom inneren Zirkel der Genre-Altvordern künstlerisch sozialisiert, nicht überraschend, wenn mit dem neuen Martina Topley-Bird-Album ein wenig Trip-Hop-Reprise aus den Lautsprechern knistert.

Schließlich setzte die Tricky-Muse, die vom Knowle West Boy dereinst beim Singen vor der eigenen Haustür entdeckt und von dessen Premiere-Single „Aftermath“, bei deren Erscheinen sie 15 war, seinen Weg musikalisch und zeitweise auch privat bis heute begleitet, für ihr selbstproduziertes Werk auch auf Szene-Unterstützung 3D aka Robert del Naja von Massive Attack.

11 Jahre nach „Some Place Simple“ baut ihr viertes Album auf mehr als nur Bristol-Sound-Affinität, werden raue Gitarrenparts, synthetische Unnahbarkeit und flächigen Keyboards mit Streichern und Jazzelementen kombiniert.

Ob „Wyman“ dabei als verkappte Pop-Rock-Nummer oder „Game“ als verspieltes Effekt-Puzzle auftritt – „Collide“ ist Programm und dynamisiert die 12 Tracks, die von Minimal-Elektro bis Folk eine breite Stilpalette abdecken.

Passend dazu lässt die gebürtige Londonerin, längst mit ihrem Lebensmittelpunkt Valencia glücklich, ihre soulige Stimme, die auch unlängst bei Gone To Colour zu erleben war, in einem Miteinander aus Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit erklingen, die, wenn wie für „Free“ dominant abgemischt, über die summenden Dub-Lines zu schweben scheint.

Die Lyrics durchstreifen Crystal-Zombies auf der „Hunt“, wird von der harten Schule des Lebens im sozialen Brennpunkt und wackeliger Selbstakzeptanz erzählt, Themen, in deren latent-düstere Klangillustration auch der Fever-Ray-Produzent Christoffer Berg involviert war.

Dem Freitod seiner Tochter Mazy begegnete Tricky auf “Fall To Pieces” direkt, die Songs ihrer Mutter für „Forever I Wait“ waren schon fertiggestellt, trotzdem assoziiert sich das traurige Ereignis für sie an vielen Stellen – „A place I’ve never been to rest my tired heart/ And wait for it to heal so I can have a fresh start.” – wünscht sich „Pure Heart“.

“One day while walking in the rain/ I found my path along the way.” resümiert Martina Topley-Bird am Ende in „Rain“, eine Erkenntnis, welche dieser Platte anzuhören ist.

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