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Tricky (Credit Erik Weiss)

Tricky – Fall To Pieces

„Hell Is Round The Corner“ – davon sang Adrian Nicholas Matthews Thaws alias Tricky schon Mitte der Neunziger ein Lied, und dass die Sozialisation des „Knowle West Boy“ gewiss nicht geradlinig verlief, konnte zuletzt in seiner gleichnamigen Biografie nachgelesen werden.

Der Trip-Hop-Veteran war stets einer, der immer wieder aufstand. Auch diesmal, nachdem der Tod seiner erst 24-jährigen Tochter Mazy im vergangenen Jahr der härteste Schlag war, der ihn traf, und das „Ununiform“-Duett „When We Die“ mit ihrer Mutter Martina Topley-Bird zurück ins Gedächtnis rief.

„Fall To Pieces“ heißt sein in Heimarbeit entstandenes neues Werk, er tat genau dies nicht, begegnete der Trauer mit ungezügelter Produktivität, beschreibt vor Selbstbewusstsein strotzend mit „Bei den meisten meiner Sachen gibt es nichts Vergleichbares“ seinen dato popwärts getunten Sound.

Die erste Single „Fall Please“ bot dann tatsächlich einen ungewöhnlich leichten Zugang zu seiner Klangwelt, erhebt sich hier die Stimme der Europa-Tour Ad-hoc-Verpflichtung, Marta Złakowska, melodiös über flackernde Club-Beats, eine Richtung, der „Thinking Of“ und „I’m In The Doorway“ mit Oh Land am Mic folgten.

Ein Tricky-Produkt bleibt derweil immer ein Tricky-Produkt, wenn er sich selbst mit Sprechbeiträgen zumindest im ersten Teil der Platte weitestgehend zurückhält, verbirgt sich unter den griffigen Oberflächen der 11 kurzen Tracks ein latentes Unbehagen, der Wunsch, die Ecken der Arrangements besser zu meiden.

Das Licht flutet seine 14. Platte über ihre Gesamtlänge zwar nicht inflationär und dennoch: die gegenwärtige Schaffensphase des Meisters aus Bristol mit Wohnort Berlin scheint weniger von der klaustrophoben Unruhe kontaminiert, die weite Teile seiner langen Karriere dominierten.

Mit schütteren Reminiszenzen an die Blüte des Trip-Hop trägt ein satter Bass durch die oft im Nichts endenden Songs mit all ihren brüchigen Melodieansätzen, fiebrigen Drums, gesplitterten Gitarren und den stets melancholie-umwehten Vocals.

Wo „Running Off“ noch durch eine Taverne tänzelt, schlängelt sich „Chills Me To The Bone“ R´n`B-affin durch Dämmerlicht, läutet das rezidivierende Piano-Thema von „Hate This Pain“ die Rückkehr von seinem Ausflug auf die hellere Seite ein, der mit dem nervösen „Throws Me Around“ und dem gepressten „Vietnam“ endgültig vorbei ist.

„Ich fühle mich, als wäre ich einer der besten Musiker, die England je hatte…“ so Tricky. Ob man diese Einschätzung nach „Fall To Pieces“ teilen möchte oder nicht:

Er ist und bleibt einer der Authentischsten und es ist gut, dass weiterhin auf ihn gezählt werden kann.

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