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Mastodon – Hushed And Grim

Was bleibt für Mastodon noch übrig? Über 20 Jahre und sieben Alben hat es sich das Quartett aus Georgia ausgiebig in jeglichen musikalischen Ecken bequem gemacht, die für eine Metal-Kenner-Band ihres Kalibers auch nur ansatzweise naheliegend sind.

Im Kern liegt zwar seit jeher noch irgendwo der Tanz mit Sludge, Doom und Death-Metal, über die Jahre probierte sich die Band aber auch in Math-Rock, Hardcore, Prog und Stoner aus. Was heavy aussieht, heavy klingt und sich heavy anfühlt, hat früher oder später einen Besuch von Mastodon bekommen.

Bei so vielen Ausflügen in alle möglichen Richtungen verschwammen die Genregrenzen mit jedem Album immer mehr, was schließlich im bunten, komplexen, aber weiterhin eingängigen Metal-Strauß der 2017er Platte “Emperor Of Sands” kulminierte.

Doch was folgt auf solch eine Lehrstunde zur Vereinigung von vielschichtiger Härte und durchdringender Melodiösität? Die Lösung: Statt auf Reisen in neue Genre-Gefilde zu gehen und möglicherweise ein Spielarten-Burnout zu riskieren, drehen Mastodon auf “Hushed And Grim” jegliche schon vorhandenen Regler in Spinal-Tap-Manier auf 11.

Schnell wird klar: Für das Doppelalbum braucht man einen langen Atem. 90 Minuten für 15 Songs, viele überschreiten die Fünf-Minuten-Marke deutlich, locker nebenbei ist das nicht gehört. Glücklicherweise macht die Platte das Durchhören äußerst kurzweilig, denn das wendige Songwriting hält permanent auf Trab, die Melodien peitschen eindringlicher und pointierter denn je daher.

Das mittlerweile eingespielte Dreiergespann an Vokalisten bestehend aus Troy Sanders (Bass), Brent Hinds (Gitarre) und Brann Dailor (Schlagzeug) lässt weiche und leise, zumeist aber harte und laute Gesänge niederprasseln.

Bemerkenswert ist dabei, wie alle drei Sänger ihren Platz in den Arrangements finden, jedoch nie die Präsenz einer Stimme erzwingen. Möchte ein minutenlanges, rein instrumentales Riffgewitter wüten, lässt die Band es bereitwillig zu, steigert sich hinein und kommt erst am Ende wieder zur Besinnung.

Aufregender Alternative-Metal folgt auf fast schon balladeske Power-Pop-Töne, punkiger Metalcore trifft mathematisch-komplexe Prog-Metal-Riffs – alles verbunden mit euphorisch umherspielenden Gitarren- und Vocal-Melodien, die zeitweise in ihrer Brillanz überrumpelnd wirken.

Solch eine hohe Intensitätsdichte bettelt eigentlich nach öfteren Verschnaufpausen zwischendurch, um die schiere Fülle besser wertschätzen zu können. Mastodon lassen diese allerdings zu selten zu, so dass man nach einem Durchlauf völlig hinweg ist, allerdings auch zu gerädert, um ein weiteres Mal auf die Wiedergabe-Taste zu drücken.

“Hushed And Grim” ist überlebensgroß und ambitioniert. Mit einem bereits sicheren Platz im Metal-Olymp des 21. Jahrhunderts hätte die Band eigentlich kein solches Opus magnum erschaffen müssen.

Haben sie aber trotzdem – um nicht unbedingt der Allgemeinheit, sondern sich selbst zu beweisen, dass nach zwei Jahrzehnten Bandgeschichte kreativer Stillstand keine Option ist.

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