Sie spalten die Gemüter: Die einen halten sie für überflüssig und sinnlos, die anderen wiederum meinen, sie seien durchaus angebracht und beschwören sogar, dass sich damit Leben retten ließen. Nein, die Rede ist ausnahmsweise mal nicht von den Corona-Maßnahmen, sondern von Triggerwarnungen – am neuen Album von Sarah Lesch werden sich die Geister vielleicht genauso scheiden.

Die Liedermacherin hat ihren neuen Longplayer nämlich genau so benannt: „Triggerwarnung“. Ein ziemlich kontroverser Titel, und auch bei den Songs macht Lesch keine halben Sachen. Die singende Poetin hat es sich augenscheinlich zur Mission gemacht, einem aussterbenden Genre mit ihrer Stimme neues Leben einzuhauchen.

Ein nobles Ziel, denn den guten alten Liedermacher hat wohl leider kaum noch ein Musikfan auf dem Schirm. Lesch bemüht sich, die traditionell immer schon sozialkritisch ausgerichtete Musikrichtung ins 21. Jahrhundert zu transportieren, aber beim Anspielen von „Triggerwarnung“ wird zumindest diese Erwartung erst einmal enttäuscht:

„Die Löwin“ ist zwar eine schöne Allegorie, aber hat auch nicht viel mehr politischen Gehalt. „Es schläft ein Lied“ klingt sehr romantisch und verspielt, „Unten am Fluss“ balanciert zwischen philosophisch und melancholisch.

Doch alle, die ohne eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik nicht können, dürfen jetzt erleichtert aufatmen: Es wird im Verlauf der Platte dann doch noch kontroverser! Zwar liefert „Drunter machen wir’s nicht“ nicht unbedingt neue Einblicke in das Thema, kritisiert Sexismus aber trotzdem und klingt dabei auch noch ziemlich cool und eingängig.

Wo es dann wirklich politisch wird, ist bei „Die Geschichte von Marsha P. Johnson“, wo der Tod der LGBT-Ikone mit jazzigen Nuancen und schönen Metaphern thematisiert wird.

Auf „Triggerwarnung“ mischen sich also hübsche Geschichten und Momentaufnahmen mit Statements, Liedermacher-Musik paart sich mit Jazz und Chanson, aber auch zahlreiche Einschläge aus weiteren Musikrichtungen bekommen wir zu hören.

Ein bisschen aus der Zeit gefallen wirken die Tracks allesamt, was ziemlich charmant sein kann, aber wie erwähnt: Das muss man halt mögen.

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