Will Varley – The Hole Around My Head

Will Varley ging es letztes Jahr wie vielen Musikern. Das ständige Tourleben der vergangenen Jahre, mal im Alleingang in Cafés nur mit seiner Gitarre, mal verstärkt durch Mitmusiker auf größeren Festivalbühnen, kam durch die Corona-Pandemie plötzlich zu einem erzwungenen Stillstand. „The Hole Around My Head“ ist die logische Konsequenz.

Denn was macht man als Musiker, wenn man gerade nicht aktive Kundenakquise betreiben und sich seine Seele in den Kneipen oder Bühnen dieser Welt in der Hoffnung auf Resonanz aus dem Leib singen kann? Richtig, man schreibt die Lieder, die man dafür braucht.

Was der Brite auf Tour schon häufiger praktiziert hat, setzt er mit „The Hole Around My Head“ erstmals auch in Sachen Album um. Denn die Platte ist komplett im Alleingang entstanden. Den gesamten Winter verbrachte Varley alleine in seinem provisorischen Studio an Englands Küste. Sein ehemaliger Produzent Cameron McVey, über dessen frisch gegründetes Label Yellow Cake das Album übrigens erscheint, stand nur mit Ratschlägen per Videotelefonie zur Verfügung.

Will Varley hat sich während seiner Isolation nicht neu erfunden, sondern ist seinen Folk-Wurzeln treu geblieben und bestätigt zumindest thematisch so das Klischee, mit dem er sich auf der Platte auseinandersetzt. Denn inhaltlich geht es auf „The Hole Around My Head“ um den stetigen Wunsch des Menschen nach der Vermeidung des Unvorhergesehenen.

Wirklich Unvorhergesehenes passiert auf dem sechsten Studioalbum des Briten nicht. Aber das muss ja nichts Schlechtes sein. Vielmehr findet Varley die Schönheit im Simplen und schafft so 11 Kleinode, für all die, die sich gerne auf leisen Sohlen fortbewegen. Die meisten Songs auf „The Hole Around My Head“ kommen beispielsweise komplett ohne Schlagzeug aus. Stattdessen sorgt Varley mit pointierten Strumming-Pattern für den nötigen Rhythmus.

Eine weitere Gemeinsamkeit, die direkt ins Ohr sticht, ist das Gespür für Atmosphäre. Varleys Stimme ist häufig von jeder Menge Hall verstärkt und erhebt sich so noch deutlicher von der bodenständigen Akustik-Gitarre ab. Zwischenzeitlich könnte man meinen, man befinde sich in einer Kirche.

Und wenn Varley in dem melancholischen „Must Be Time For Moving On“ von der „Mansion on the hill” singt, dann muss man nicht zweimal überlegen, wer einem von solch einem Haus schon mal eine Geschichte erzählt hat.

Die Songs von „The Hole Aound My Head“ sind natürlich deutlich ausgefeilter als die Demos von Bruce Springsteens „Nebraska“, aber im Kern besinnen sie sich auf das Gleiche.

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