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Courtney Barnett – Things Take Time, Take Time

„Things Take Time, Take Time“, heißt das neue Album von Courtney Barnett. Man sollte sich diesen Rat zu Herzen nehmen und etwas mehr Zeit in die dritte Platte der Australierin investieren, als es gekostet haben dürfte, das Artwork zu erstellen.

Denn selbst, wenn die neun verschiedenen Blautöne der Farbklekse mit Voll- und Abtönfarbe in feinjustierter Handarbeit nach exakter Abmessung selbst gemischt wurden, werden bei der Betrachtung statt Kunst eher Fingermalfarb-Assoziationen geweckt.

Aber zum Glück dürfte die Phrase „Don’t judge a book by its cover“ spätestens mit der Rocky Horror Picture Show Einzug in die Popkultur gehalten haben und so wird man von „Things Take Time, Take Time“ prompt für besagte Unvoreingenommenheit belohnt.

Eigentlich wollte Courtney Barnett möglichst viel erleben und diese Abenteuer anschließend in Songs pressen. Aber, wie so vielen, machte die Corona-Pandemie ihr einen Strich durch die Rechnung. Und so verbrachte Barnett einen der weltweit strengsten Lockdowns in einem kleinen Apartment in Melbourne.

Gewissermaßen unterzog die 33-Jährige auch ihren Sound einer Isolationshaft. Denn statt des Bandsounds, in dessen Korsett die beiden Vorgänger größtenteils geschnürt wurden, zeigt sich „Things Take Time, Take Time“ deutlich reduzierter und intimer.

Dieser wohligen Gelassenheit, aufgrund derer Barnett im Laufe ihrer Karriere immer wieder mit dem Spitznamen „Slacker-Queen” geschmückt wurde, ist das mehr als zuträglich.

„Turning Green“ beispielsweise besticht die ersten beiden Minuten nur mit Drum-Computer und einer simplen Basslinie, während Barnett mit ihrem lässigen Gesang und Zeilen wie „The trees are turning green / And this springtime lethargy / Is kinda forcing you to see / Flowers in the weeds“ in Sachen Alltagspoesie lyrisch mal wieder den Nagel auf den Kopf trifft.

Da stört es auch keinen, dass auf unsere Seite der Erdhalbkugel gerade mit vollen Güssen der Herbst an die Türe klopft. Denn Lethargie funktioniert zu dieser Jahreszeit mindestens genauso gut.

Wer sich von den starken Windböen und den alles verschlingenden Grautönen bereits jetzt auf die Couch festgetackert fühlt, dem sei als Medizin „Take It Day By Day“ verordnet, bei dem Barnett mehr sprechend als singend Ratschläge wie „Don’t stick that knife in the toaster“ mit der gut gemeinten Aussicht auf „Soon you’ll be in bed“ zu einem Instrumentarium kombiniert, das mit doppelter Geschwindigkeit als akustischer Punkrock durchgehen könnte.

Wem das die Laune immer noch nicht aufgehellt hat, bekommt mit „Write A List Of Things To Look Forward To“ noch eine letzte Chance auf Sonnenschein: Up-Beat-Schlagzeug trifft auf gut gelaunte Indie-Gitarren, zu denen Barnett über die Kraft des positiven Denkens singt.

Was man auf besagte Liste schreiben könnte? Definitiv Courtney-Barnett-Album Nummer Vier.

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