Zufriedenheit kommt auf leisen Sohlen daher. Kein Feuerwerk, keine Schmetterlinge, sondern wohlige Wärme, die man sich oft erst bewusst machen muss, bevor man sie spürt. Wer für diesen Prozess noch auf der Suche nach dem passenden Soundtrack ist, der ist mit „Flying Dream 1“ bestens bedient.

Denn von der bissigen Wut, mit der Elbow auf „Giants Of All Sizes“ gegen die Absurditäten unserer Zeit wetterten, ist auf dem neunten Studioalbum der Briten genau so wenig zu spüren, wie von der überbordenden Euphorie, bei dem selbst dem Letzten untersagt war, das Licht auszuknipsen.

Stattdessen serviert das Quintett auf „Flying Dream 1“ oft jazzig angehauchte Kleinode, zu denen man den Stress des Alltags zumindest für eine Albumlänge vergessen kann. Ob das jetzt schon die Altersmilde ist? Nach über 30 Jahren im Musikbusiness hätten sie sich die auf jeden Fall verdient. Zumal, wenn sich das so gut anhört.

Aber vielleicht ist es Elbow in dieser seltsamen Zeit auch einfach gelungen, sich auf das Wesentliche zu besinnen und darin Zufriedenheit zu finden. Das lassen zumindest Zeilen wie „And I’ve never been so sure / That I was right where I should be / In my whole life” vermuten. Im dazugehörigen „The Only Road” entführt Guy Garvey so mit seiner samtigen Stimme, gedämpftem Schlagzeug und einer Gitarre mit jeder Menge Hall, auf einen Ausflug in Richtung Inverness.

Statt Sonnenschein, wehenden Haaren und Springsteen-Romantik, packen Elbow Kinderwagen und Feuchttücher in den Kofferraum und liefern so die Mitte-Dreißig-Version eines Roadtrips. Dass das soundmäßig nicht kracht, sondern leisetretet, erklärt sich von selbst. Schließlich soll der „very chatty monkey“, der im Rücksitz endlich „fast asleep“ ist, auf keinen Fall wach werden.

Wo Garveys Lyrics nicht unbedingt vor Subtilität oder poetischem Genius strotzen, tut es die Musik. Sei es der samtfüßige Kontrabass in Kombination mit dem jazzigen Klavier beim Titeltrack, dem genauso in keiner Jazzbar der Eintritt verwehrt bliebe, oder der überraschende Cembalo-Sound bei „What Am I Without You“, der in Kombination mit den Powerchords auf dem Klavier doch noch etwas Fahrt aufkommen lässt und aus weiter Ferne an die Hymnik eines „One Day Like This“ erinnert.

Man könnte Elbow jetzt verteufeln und als weichgespülte Langweiler abschreiben, die ihren Biss verloren haben. Aber so leicht machen die Briten es einem nicht. Denn dafür klingen die leisen Töne von „Flying Dream 1“ einfach viel zu gut.

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