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KUMMER – Live im Palladium, Köln

Andere Familien treffen sich sonntags zum Brunchen. Im Hause KUMMER geht man stattdessen gemeinsam auf Tour. Denn Felix Kummer teilt sich nicht nur zu Kraftklub-Zeiten die Bühne mit Geschwistern, sondern hat auch auf seiner Solo-Tour familiäre Unterstützung im Gepäck.

So eröffnen Blond mit Schwestern Nina und Lotta Kummer um kurz nach halb neun den Konzertabend im Kölner Palladium und lassen keinen Moment ungenutzt, um ihre plakativen Songs mit ebenso offensiven Ansagen zu untermalen.

Während zu Trommelwirbel und der Frage: „Wer menstruiert gerade?“ in Stadionsprecher*innen-Manier „Es könnte grad nicht schöner sein“ angekündigt wird, hebt man im Publikum entweder fragend die Augenbraue oder stimmt mit lautem Gekreische in die Zelebration des weiblichen Zyklus ein.

Als das Set des Trios nach 25 Minuten zu Ende ist, dürften sie einige neue Fans gewonnen haben. Dass man sich als Vorband zu Zugabe-Rufen von der Bühne verabschieden kann, kommt sicher eher selten vor.

Man merkt also, die Kölner haben Bock. Und den hat KUMMER auch.

Nachdem Lana del Reys „Summertime Sadness“ vom Band auf voller Lautstärke nicht nur für eine angenehme Portion melancholische Vorfreude sorgt, sondern auch gleich Mitsingchöre initiiert, fließen in der vordersten Reihe zu den ersten Tönen von „9010“ bereits die Tränchen, bevor Felix Kummer überhaupt die Bühne betreten hat.

Als er dann mit den Zeilen von „Okay“ zwei Songs später verkündet, dass er ein Misanthrop sei, passt das so gar nicht zu dem Grinsen, dass sich im Laufe des Abends immer und immer wieder auf dem Gesicht des Chemnitzers breit macht.

Dabei gibt der heutige Abend nicht nur Anlass zur Freude, wie sich gegen Ende des Sets herausstellen soll. Nachdem KUMMER zu „Aber nein“ nicht nur seine beiden Schwestern, sondern auch LGoony auf die Bühne einlädt, macht er anschließend einen kleinen Ausflug in die letzten Jahre seiner Karriere.

„Ich fühle mich ein bisschen einsam hier auf der Bühne. Das liegt daran, dass ich nicht immer ein Solo-Künstler war. Sollen wir einen kleinen Gruß nach Karl-Marx-Stadt schicken?“ Die Antwort darauf ist klar.

Zu Beats vom Band folgen die Kraftklub-Hits „Chemie Chemie Ya“, „Schüsse in die Luft“ und „Randale“ in einer etwas eigentümlichen Hip-Hop-Version, bevor KUMMER mit seinem eigenen Song „26“ die Stimmung wieder runterkocht.

„Genau deswegen habe ich diese Platte gemacht. Es ist unglaublich, dass ich so einen Song spielen kann und alle zuhören, nachdem wir vor wenigen Sekunden noch dermaßen Randale gemacht haben. Danke, dass ihr euch das anhört.“

Zu „500K“ betritt kurzerhand ein Großteil der Crew die Bühne und lässt statt Konfetti-Geldscheine regnen. Ob Original oder Monopoly können nur die ersten Reihen beurteilen. „Bei der Kummer-Show geht man noch mit Plus nach Hause“, witzelt KUMMER, bevor er verkündet, dass das heutige Konzert wohl der unfreiwillige Tour-Abschluss sein wird und KUMMER nächstes Jahr seine letzten Konzerte gibt. (Ob KUMMER danach noch Alben herausbringt oder sein Soloprojekt komplett einstampft, bleibt unklar, Anm. d. Red.)

Und so hat „Ganz genau jetzt“ als letzter Song des regulären Sets einen besonders bitteren Beigeschmack und bringt die derzeitige Situation dermaßen passend auf den Punkt, dass einen eine Gänsehaut beschleicht.

Das weiß wahrscheinlich auch KUMMER, der sich vor, während und nach der Zugabe gebührend Zeit dafür nimmt, einfach am Bühnenrand zu stehen und sich beklatschen zu lassen. „Ich genieße das gerade dermaßen. Das ist einfach nur wunderschön und ich weiß, dass ich so was hier jetzt wieder für einige Zeit nicht sehen werde, deswegen versuche ich gerade, alles in mich aufzusaugen“.

Aber auch der schönste Konzertabend hat ein Ende und so verklingt nach „Bei dir“ auch der letzte Refrain von „Der Rest meines Lebens“ schließlich und entlässt die Konzerthallen und Kulturschaffenden dieses Landes mal wieder in eine ungewisse Zukunft.

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