Mit South Summit aus dem australischen Perth schicken sich fünf Musiker an, mit einem Stilmix aus Indie-Rock, Reggae und Hip-Hop global erfolgreich zu werden.

Wer bei diesem Crossover jetzt an jenen energischen Sound denkt, zu dem Mitte der 90er reihenweise Skateboards zu Bruch gegangen sind, liegt allerdings falsch. Nach ihrem 2024er Debütalbum „The Bliss“ befanden sich South Summit bereits auf Kurs in die Charts, der glatt produzierte Nachfolger möchte hier eindeutig nachlegen.

Die Band rund um die Brüder Isaiah und Nehemiah Reuben folgt auf ihrem zweiten Longplayer „Run It Back“ nämlich einem deutlich pop-orientierterem Ansatz. Dabei wird der Albumtitel zum Credo und das Dutzend Songs lädt zum Davonlaufen ein.

Schon der passend betitelte Opener „Heartless“ bietet einen auf Isaiah Reubens weichkratzige Stimme zugeschnittenen Refrain und viel Synthiegedudel.

Weichgeklopft von diesem Einstand erscheint das satte Groove-Intro von „We Are“ wie eine Erlösung. Dieses versandet aber schnell im Laid-Back-Popr-Reggae, das unliebsame Erinnerungen an einen gewissen Peter Andre oder andere Cocktailschirmchen-Musiker wachruft. Mit Sand zwischen den Zehen und Meeresrauschen im Hintergrund, mag dieser harmlose Titel seine Wirkung haben, ohne das wirkt er seelenlos.

Das trifft auf „Waiting All Night“ und seine lockeren Beats zu, zu denen sich Reubens Sprechgesang und ein Chorus aus der Wundertüte des Audiotune gesellt.

Nur übertroffen vom aufgesetzten Gute-Laune-Hip-Hop von „Ando Boi“ und seinen Stelzbock-Raps schrammen South Summit auf dem Album am schmalen Grat aus Bedeutungslosigkeit und Sommerhit entlang.

Irgendwo dazwischen besinnt sich „How We Live“ mit griffigen Saitenakkorden und einem adäquat groovenden Basslauf auf seine Indie-Rock-Wurzeln, entwurzelt sich gesanglich aber nicht vom Rap und hinterfragt dabei die gute Laune nicht.

„On The Dash“ bringt satte Beatrhythmik und hat auch Handclaps im Gepäck. Das animiert durchaus zum Mitmachen, doch begleitet einen stets das Gefühl, die Band wäre mit angezogener Handbremse unterwegs. Deutlich wird das beim mehrstimmigen Refrain, der – anstatt motiviert durch die Decke zu gehen – verhalten bleibt und dabei eingängiges Potential verschenkt.

Das Potential hätte auch „New World“, das mit sphärischem Gitarrenintro und stimmigem Halleffekt den Bogen spannt, anschließend aber ohne Dynamik dahin siecht und das Gitarrenriff im mittleren Teil zum Höhepunkt werden lässt.

Latinobläser und rollende Bässe grooven „Call Of The Empire“ warm, die Raps sind so präsent wie es Latino-Feeling in Australien eben sein kann und bevor Fremdschämen einsetzt, holt „Chambers“ die R&B-Nummer aus dem Keller. Reubens weiche Stimme passt perfekt zum Downtempo-Happening, wenn nur der Refrain nicht ganz so teflonartig glatt wäre.

Machen wir es kurz: „Top Of The Hill“ ist der Höhepunkt des Albums. Der Akkord spielt an der Klaviatur der Eingängigkeit, der zweistimmige Refrain geht ins Ohr und allgemein wirkt der Song sympathisch entrückt. Zwar hat er nichts, das sich dauerhaft ins Trommelfell brennen würde, auf „Run It Back“ ist es jedoch der hörenswerteste Titel.

Dicht allerdings gefolgt von „Only To Love“, dessen Reggae-Rhythmik dem schäkernden Intro die Luft rauslässt, die Isaiah Reuben aber gut bekommen wäre.

Etwas kurzatmig wirkt der Sänger auch beim abschließenden „More Life“, das nochmal so etwas wie Vorfreude auf ein weiteres Album erzeugen möchte, in dem es alle drei prägenden Stilmittel in einem uninspiriert dahinsabbelnden Poptitel vereint.

„Run It Back“ hat Potential. Das ging nur zwischen der aalglatten Produktion und den sämtliche Spannungsbögen vermissenden Titeln verloren. Hoffentlich vermögen die Australier bei ihren bevorstehenden Liveauftritten etwas mehr Begeisterung vermitteln, als es dieses Album tut.

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