2019 und 2020 waren für das norwegische Indie-Pop-Duo Highasakite zwei vollgepackte Jahre. Neben ihrem vierten Album “Uranium Heart” kamen zwei EPs namens “The Bare Romantic, Pt. 1” und “The Bare Romantic, Pt. 2” sowie zahlreiche Singles auf den Markt. Dass Ingrid Helene Håvik und Trond Bersu noch Zeit für die Produktion eines weiteren Albums fanden, schien fast unmöglich. Doch der norwegische Lockdown 2021 brachte für die Zwei viel Zeit und vor allem Kreativität mit sich.

Nun erscheint mit “Mother” ihr fünftes Studioalbum, das mit 10 neuen Songs, mal poppiger, mal ruhiger daher kommt. Schon der Opener “I Just Moved Here” signalisiert mit seinen verspielten elektrischen Keyboards und den choralen Gesangsparts die Richtung des neuen Album – Synthie-Indie zum Träumen. Getragen vom Midtempo und einem mitreißenden Sounddesign, versprüht er eine wundervolle Art von Fröhlichkeit.

Weiter geht es mit zwei absolut blendenden Synthie-Indie-Tracks namens “Mother” und “Atomic Sparks”. Während “Mother” von Anfang an auf den Beat ausgelegt ist und man den Sub-Bass tief im Körper fühlt, besticht “Atomic Sparks” durch seine Dynamik.

In den Strophen wird die seichte und liebliche Stimme Ingrid Håviks nur von einem dumpfen Synthesizer und leichten akzentuierten Beats begleitet. Im Refrain bricht die Energie der einzelnen Sounds wieder aus und schafft eine kraftvolle und stimmungsvolle Atmosphäre.

“Keep It Alive” wirkt er wie eine chorale, verschmuste Hymne, die auf Konzerte oder Festivals sicherlich perfekt passen würde. Darin besingt Håvik in stimmungsvoller Atmosphäre die Situation, wenn man sich nach einer Trennung alleine fühlt und nicht mehr weiß, wie man ohne den anderen weiterkommt.

Das experimentelle “Under The Same Sky”, das poppige “Love Him Anyway” und das düstere “Tell Her Yourself” kehren klanglich wieder zu den Anfängen des Albums zurück. Durchproduzierte Synth-Tracks, die durch den starken Einsatz von Vocodern an die aktuelle Musik aus den Charts erinnert. Highasakite haben sichtlich ein Talent für die Produktion von chart-tauglicher Musik.

Auch “So Cold” reiht sich in die Riege der synthie-Iastigen Songs ein, obwohl die Laut-Leise-Dynamik wieder ein vorzeigbares Beispiel für herausragende Musikproduktion ist. Getoppt wird das nur noch von “Autopsy”, das mit knapp 10 Minuten der längste Song auf dem Album ist.

Dieser Song könnte auch auf jedem Rave quer durch Europa und darüber hinaus laufen. Hier vermischt sich der Synthie-Indie von Highasakite stark mit dem Industrial EDM und wirkt wie ein Remix von den Kalkbrenners oder Trentemøller. Auf der einen Seite ungewohnt, doch wenn man “Autopsy” eine Chance gibt, dann wirkt er sehr angenehm.

Den Abschluss macht “Can I Come Home”, das als seichte Ballade beginnt und sich nach und nach zu einem Epos mit klassischem Klavier, Streichern und Synthie-Melodien entwickelt. Dieser Song könnte locker als Filmsoundtrack herhalten und ist wahrscheinlich das I-Tüpfelchen auf “Mother”.

Allgemein ist “Mother” facettenreich, wirkt aber teilweise dennoch etwas eintönig und eindimensional. Songs wie “I Just Moved Here”, “Autopsy” und “Can I Come Home” stechen durch ihre klangliche Vielfalt heraus und lassen den Rest irgendwie leicht verblassen.

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