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Shout Out Louds – House

Es gab einmal Zeiten, da stand ein Haus noch sinnbildlich für den sicheren Rückzugsort, den sorglosen Heimathafen, den Schutz vor dem Außen. Welche anderen, weniger schönen Schattierungen die eigenen vier Wände aber auch in sich tragen können, zeigten die vielen Lockdown-Monate zur Genüge. Auch die Shout Out Louds haben die Nase voll.

Deswegen widmen die schwedischen Indie-Rocker*innen ihr sechstes Album “House” auch dem Frust des Alltags und somit all den weniger schönen Momenten des Zuhause-Sitzens. Auch im 21. (!) Jahr nach Bandgründung klingt das Quintett aber natürlich nicht plötzlich düster und laut, sondern vor allem nach der musikalischen Entsprechung des bei-Regen-aus-dem-Fenster-Guckens.

Der Weg aus den klaustrophobischen Fängen des Hauses öffnet bei den Shout Out Louds weite Schwingen, die auf den sphärischen Weiten der Platte dahingleiten. Für Band-Verhältnisse ist der Sound dabei dieses Mal sehr analog und reduziert geraten und dennoch ist die atmosphärische Dichte in den acht Stücken spürbar.

“House” schimmert dabei in allen Episoden in Pastelltönen, was man dem Album als mangelnde Diversität vorwerfen könnte. Ist man jedoch gerade bewusst auf der Suche nach einem tiefen Zug am Melancholie-Rausch, ist die Platte dafür umso vielversprechender.

Immerhin pulsieren die Songs in unterschiedlichen Intensitäten: Der Opener “As Far Away As Possible” klingt wie die Quintessenz vom 00er-Indie und franst dann in eine sphärische Bridge aus.

Bei “Mixed Up” stehen die Beats im Zentrum und erinnern an Bombay Bicycle Club. “June” und “My Companion” sind hingegen die einzigen Tracks, die als Indie-Rock durchgehen.

Besonders stark wird “House” aber vor allem dann, wenn die Emotionen fokussiert werden. So etwa im melodramatischen “High As A Kite”, in dem Sänger Adam Olenius bei seinem wehklagenden “Why am I falling apart?” von großen Background-Chören bekräftigt wird. Durch die unnachgiebigen Gitarrenuntermalung bekommt die Verzweiflung eine bedeutsame Gewichtung.

Anders läuft das wiederum in “Sky And I (Himlen)”, bei dem Keyboarderin Bebban Stenborg die Main Vocals übernimmt. Dabei löst sich der Song, der um die kleine Schwelle zwischen dem Ver- und Entlieben kreist, am meisten von dem sonstigen Sound der Platte. Ein wenig mehr Dream-Pop in den Strophen, ein bisschen mehr Bombast im Refrain.

In diesen vielen Zwischentonen bieten die Shout Out Louds somit allen die kleine Prise Eskapismus vom anstrengenden Alltag. Mission gelungen.

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