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Wovenhand – Silver Sash

Die Luft scheint zu flimmern, wenn „Tempel Timber“ die ersten Saiten zittern lässt, eine Staubwolke wirbelt auf, wenn das restliche Orchester einsetzt und die donnernde Soundwand den Hörer in den Sitz drückt.

Ein inzwischen bekanntes Szenario, wenn David Eugene Edwards mit Wovenhand antritt. Zuletzt in dieser Form auf dem epischen „Star Treatment“ vor vier Jahren zu hören, arbeitete Edwards seitdem nicht nur an neuem Material, sondern veröffentlichte auch „Risha“, ein Album mit dem Einstürzende-Neubauten-Urgestein Alexander Hacke, Partner nicht erst seit der gemeinsamen Zeit bei Crime & The City Solution.

In neun Kapiteln schreibt der Mann aus Colorado weiter an seiner künstlerischen Biografie, für die er mit 16 Horsepower und Wovenhand (initial ein Projekt mit rotierender Besetzung, mittlerweile festes Bandgefüge), inzwischen einen Katalog verfasste, in dem der religiös sozialisierte Musiker die Grenzen von Country, Rock und Gospel in Grund und Boden spielte, von Schuld und Sühne der Menschheit mäanderte, dass Dostojewski seine Freude daran gehabt hätte.

An der aktuellen Ausgabe hat mit dem Planes Mistaken For Stars Gitarrist Chuck French ein langjähriger Wovenhand-Weggefährte maßgeblichen Anteil. Aufgenommen in dessen Haus in Denver, feuern die Tracks eine wuchtige Breitseite aus Wut, Trauer und Entschlossenheit ab.

Was live dargeboten ein infernales Vergnügen bedeutet, bei dem der Protagonist mit schamanischem Eifer und enormer Lautstärke musikalische Geister beschwört und im spirituellen Taumel den Erlöser und dessen ewigen Widersacher anruft, wird auch dato auf Tonträger-Format transformiert.

Cool zieht „Acacia“ eine Furche durch ein Klanghabitat, in dem man auch Mark Lanegan schon des Öfteren begegnet ist, hämmert der „Dead Dead Beat“ wie ein Stooges-Booster durch die Wüste, dräut „Omaha“ düster über einen grummeligen Post-Punk-Bass, drischt „Sicagnu“ auf das Schlagzeug ein, als gebe es kein Morgen.

Es ist nicht nur der zornige Americana-Blues, der „Silver Sash“ prägt, „Duat Hawk“ ist die leise Variante dessen, bricht im Album-Verlauf viel elektronisches Equipment die Dominanz der Gitarren, schlängelt sich „The Lash“ durch seine Effektkulisse, wechselt der Instrumentenkreisel von „8 Of 9“ die Führungsaufgaben zu biblischen Gemurmel.

Wenn der vibrierende Titeltrack am Ende längst verhallt ist, klingt die neue Predigt Edwards noch lange nach.

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