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ANIQO – Birth

Manchmal verrät schon ein Blick aufs Cover recht genau, wie ein Album klingen wird. „Birth“, das Debütalbum von Aniqo, ist da keine Ausnahme. Das Gesicht von Sängerin und Gründerin Anita Goss, gerahmt von weißer und blau-schwarzer Farbe, aufgetragen in gewichtigen Pinselschwüngen. Dieses Spiel von Licht und Schatten bildet Konzept und Kern des Dark Pops von „Birth“.

Es ist fast schon poetisch, wie Aniqo den Kontrast materialisieren. Anfang und Ende – „Vivre Libre“ und „Love Life“ – fungieren als unmissverständlicher Appell ans Leben und die Hoffnung.

Bevor sich die Enden des Kreises aber schließen, entfaltet sich eine Reise in schattengetränkte Abgründe. „Where is my little lamp/Where is my little light/Just swimming in the night/But I am sinking deeper and deeper and deeper”, heißt es etwa in “Deep Sea Fish”.

Was “Birth” aber versteht ist, dass Licht und Finsternis nicht ausschließlich binär existieren. Selbst in den dunkelsten Momenten, zum Beispiel auf „Fear”, verlieren sich Aniqo nie im Sumpf der Verzweiflung. Und die Lichtstrahlen, die Öffner und Schließer am blendendsten werfen, entstammen keiner engsichtigen Naivität.

Doch es ist nicht nur der Farbendualismus, mit dem Aniqo ihre Handwerkskunst demonstrieren. Es ist auch der Reichtum an Texturen auf „Birth“. Die gleichzeitige Sympathie für Unbequemlichkeit und Zärte.

Zwischen dem bedrohlichen Gewicht aus schnaufenden Bässen und kratzenden Gitarren stemmt sich der Titeltrack aus den Speakern wie eine Kreatur aus dem kosmischen Horror. „Must Surrender“ eröffnet hingegen mit Wah-Gitarren und titanischen Orgeln, über denen Goss‘ Sirenengesang schwebt. Darauf schichten Aniqo Sägeblattsynths samt spanischer Gitarren zu einer finsteren Kaskade.

Dem gegenüber steht etwa die Introspektion von „Day When Love Appears“, das nicht mehr als ein Klavier braucht. Oder „Go On“ mit seinem dichten Feld aus ätherischen Keys und spukenden Saxofonen.

Statt bloß einzelner Fragmente, die sich erst gegenseitig ergänzen müssen, liefern Aniqo so insgesamt zehn eigenständige Geschichten. Geschichten, die sich auf dieselbe Sache verständigen, wohl aber einzigartige Perspektiven und Interpretationen anbieten.

Wenn man „Birth“ als Indikator nimmt, lässt sich über die Zukunft der Band mit Sicherheit schon eines sagen. Im Schatten wird sie sicherlich nicht versinken.

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