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Papooz – None Of This Matters Now

Auch Papooz stehen nicht über Klischees. Ein kleines Studio aus Holz irgendwo in Südfrankreich, spätabendlicher Rotwein, Liveaufnahmen für einen „rohen, natürlichen“ Vibe, ein strenges Zigaretten- und Handyverbot während der Aufnahmen, dem neugefundenen Selbstanspruch halber. So entstand ihr neues Album „None Of This Matters Now“.

All das anzusprechen, ist eigentlich nicht nötig. Denn die Entstehungsgeschichte eilt den zehn Songs voraus, die reichlich in Richtung der Laurel-Canyon-Alben der 1970er-Jahre schielen. Ihre Arrangements aus Slide-Gitarren, pointierten Bässen, großen Keys und entspannten Drums stehen im Spagat zwischen Lässigkeit und Penibilität.

Besonders deutlich macht das etwa die Single „Hell Of A Woman“, der Musik gewordene Hybrid aus einer tröstenden Hand auf der Wange und einer Zigarette im Winkel eines schiefen Lächelns. Oder „Cocaine Angel“, mit seinen gehauchten Strophen und den Schlagzeugexplosionen der Refrains.

Blickt man aber auf das Album als Ganzes, offenbart sich seine Achillesferse. Zu oft zerfließen einzelne Songs ineinander, als würde man in den Polstern eines schmerzhaft weichen Sofas versinken. Was fehlt, sind die großen Alleinstellungsmerkmale, die Reibung, die Kanten.

Die kommen zwar vereinzelt zum Vorschein, etwa in den zwei bereits genannten Liedern oder in den Latin-Anleihen von „Morning Sonata“. Ihnen gelingt es aber nicht, „None Of This Matters Now“ im Alleingang auf ihren Schultern zu stemmen.

Das ist gerade deshalb verwunderlich, weil sich Papooz in einigen Texten ebendieser Reibung mit offenen Armen annähern. Es ist fast schon zynisch, wie anschmiegsam sie die Übel dieser Welt im Opener „None Of This Matters“ verpacken. „If they added poison in your food/You’d dig the colors/No sign of dollars/Only forest fires on the news”, singt Ulysse Cottin zum lieblichen Instrumental.

Mit “None Of This Matters Now” präsentieren Papooz insgesamt ein Album, das kleiner als die Summe seiner Teile ist. Bedauerlich, denn in seinen besten Momenten möchte man nur eins: In einer südfranzösischen Holzhütte mit Rotwein in der Hand das Gewicht der Welt zu vergessen.

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