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Inhaler – Live im Knust, Hamburg

Volles Haus im Knust. Wenn die Iren von Inhaler nach Hamburg kommen, füllt schon lange nicht mehr nur der bekannte Name des Frontmann-Vaters (Bono) den Laden, sondern Fans vom letztjährigen Debüt “It Won’t Always Be Like This“.

Jetzt wo wir so drüber nachdenken, für einen Großteil derer, die sich an diesem Samstagabend im ausverkauften Knust einfinden, klingt Bono wahrscheinlich eher nach rudimentärem Italienisch als nach ikonischem Frontmann. Egal – und umso besser: Also sind die Leute tatsächlich wegen Inhaler hier.

Eröffnen dürfen den Abend trotzdem Sun Room aus San Diego, die auch nach ihrem Heimatort klingen. Statt britischem Hymnen-Rock brüllen die US-Amerikaner im einheitlichen Surfer-Look in die Mikros und bringen das Publikum irgendwo zwischen Pop-Punk, Surf-Rock und Garage in Stimmung. Weil sich nahe der Bühne sowieso schon alles drängt – die Anziehungskraft von Inhaler wirkt schon vor – gelingt das auch ordentlich.

Bevor sich Sun Room endgültig verabschieden, beteuern sie noch einmal etwas halbherzig, dass Hamburg wirklich eine der besten Shows der Tour gewesen sei. Scheinbar selbst etwas überrascht von der eigenen Überschwänglichkeit werfen sich die Bandmitglieder noch während ihrer Dankesrede fragende Blicke zu und sind dann auf einmal weg. Noch mehr Stimmung macht danach die Playlist im Knust, die den Wartenden Arctic Monkeys, Tame Impala und The Killers zum Mitsingen vorsetzt – spätestens bei “Mr. Brightside” grölen alle anwesenden Generationen mit.

Das Intro für Inhaler wirkt hingegen weniger wie ein Best-Of alternativer Rock-Musik, sondern wie die fast messianische Selbstüberhöhung eines Hip-Hop-Künstlers. Inhaler ließen selbst in einem Interview verlauten, dass auch A$AP Rocky als Inspiration für ihr Debütalbum hergehalten habe, was bei der Platte selbst noch nicht so stark ins Auge fiel. Jetzt passt’s.

Das Set eröffnen darf der titelstiftende Track “It Won’t Always Be Like This”, den mindestens so viele mitsingen können wie “Mr. Brightside” ein paar Minuten zuvor.

Frontmann Elijah Hewson hält das Mikrofon in die Menge und kann sich selbst ein Lachen nicht verkneifen, als er den Gesang der Fans hört. Der Rest des Publikums hört davon nicht viel, weil die restlichen Instrumente und insbesondere die Drums nah an der Übersteuerung höchstens die Melodie der Vocals erkennen lassen.

Im Versuch, eine Wand aus Sound zu erzeugen, verdrängt die garage-mäßige Rohheit den sonst stimmungsgebenden Hewson in den Hintergrund und lässt den Arena-Indie des Albums etwas beliebiger klingen. Ganz anders wirkt es, wenn die übrige Band sich etwas zurücknimmt.

In den langsameren Momenten des Abends erinnert nämlich nicht nur Elijah Hewsons Aussehen an den US-amerikanischen Singer/Songwriter Jeff Buckley, auch die ruhigeren Balladen klingen den klagenden Pop-Hymnen von Buckley nicht unähnlich.

Hewsons Stimme drängt bei Songs wie “Totally” endlich in den Vordergrund und lässt diejenigen, die nur Sekunden zuvor noch wild mit ihren Armen herumgefuchtelt haben, für knappe drei Minuten erstarren und den Blick auf die Bühne richten.

Überraschungen hält die Setlist von Inhaler keine bereit. Das Debütalbum wird vollumfassend durchgespielt und das Publikum folglich auch ohne Zugabe und zufrieden zurückgelassen. Die übersteuerten Instrumente dürften höchstens einigen als leises Fiepen im Ohr in Erinnerung bleiben.

Der Gesamteindruck einer jungen, charismatischen Band, die sich zwar an zahlreichen Inspirationen der britischen Rockmusik abarbeitet, aber auch selbst konzerttaugliche Hymnen für lange Nächte am Wochenende abliefert, überwiegt dennoch.

Besonders, weil mit “Cheer Up Baby” und “My Honest Face” zwei Singles den Abschluss machen, die kaum charakteristischer für den Sound der Iren sein könnten. Auf ekstatischen Applaus folgt dann der Weg nach draußen, wo der Frühlingsdom mittlerweile die Nacht erleuchtet. Da hört man das Fiepen dann sowieso nicht mehr.

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