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Mia Morgan – Fleisch

Mia Lisa Marie, aka Mia Morgan, seit über drei Jahren unterwegs und jetzt angekommen. „Fleisch“, das Debütalbum ist fertig. Eingängige Beats, beschwingter Elektro-Pop mit Wave-Einschlägen und unkomplizierter Choreografie.

Darüber Mias Stimme im besten Girlie-Stil. Mädchenhaftes „Lalalala, lalala…“ in “HAUSTIER IM HOTEL”. Grob abgewürgt von unschuldig dargebotenen Sexualpraktiken jenseits der Blümchen. Genauso schnell wieder zurück zur jugendlichen Obsession „Lass mich die Eine sein…“. Der nächste Wechsel im Tonfall. Drückendes „Und Männer in Bands sind nur Männer in Bands“. Unter der rosaroten Klimper-Fassade steckt noch was.

Die zurückgezogen schüchterne Unscheinbarkeit in der Jugend tingelt in “TEENAGER” vor sich hin. Entlädt sich in der Wut über die heutige Schüchternheit. Getrieben von unerfüllten Bedürfnissen, reflektiert ins eigene Selbst.

Etwas technoider dann weiter. Weit weg von komplex, aber direkt in die Füße. Zusammen mit der besten Freundin geht es zehn Jahre in die Vergangenheit. Gemeinsamer Drang nach Erfahrungen, echte Blutsschwesternschaft. Der Name des Titelsongs “FLEISCH” kommt nicht von der Kuh auf dem Cover. Und Mia wäre nicht Mia, wenn sie die Beziehung langfristig glorifizieren würde. Nichts währt endlich.

Düster gewaltiger Start zu „SCHÖNERE FRAUEN“. Übertriebene Schönheitsideale. Zwischen Zweifel und mühsam, gewonnenen Selbstbewusstsein. Räsoniert im eigenen Auftreten mit starker Betonung auf übertriebene Äußerlichkeit. Perfekt gespiegelt im zugehörigen Video.

Unverdrängbare Gefühle von Verrat in “WIDERLICH”. Die Freundin und der Angebetete verstecken ihre Beziehung. Angezogen und abgestoßen von „Dir“ zugleich. Das nächste Wechselbad der Gefühle.

„REAKTION“ die musikalische Ausnahme. Düster schnarrend der Sound. Atemlos treibend und poetischer der Gesang zum Start. Der Girlie-Pop schafft es bis zum Ende nicht, zu übernehmen.

Das Album ist ein Auf und Ab einer intensiven Coming-of-Age Episode vertont als Indie-Pop, mit einem Hang zu Schlagerattitüden. Musikalisch einfach gestrickt geht der Inhalt gefällig ins Ohr. Weiblich bewusst, genderoffen, sexpositiv, wütend, selbstzufrieden, unsicher überzeugt und zurückgezogen. Die volle Bandbreite aller Gefühle des Erwachsenwerdens.

Authentisch, obwohl Mia Morgan eigentlich schon einige Jahre weiter ist. Dass Mia „ihr Publikum auf den Punkt abholt“ haben nicht wir nur auf dem Reeperbahnfestival gesehen. Nicht nur große Unterstützung durch wichtige Künstler und die Beachtung in Medien bis hin zur Zeit spricht Bände für sie.

Mia Morgan trifft zielgenau einen Nerv. Sie berührt Bedürfnisse mit ihrer einfachen aber ehrlichen Reflektion.

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