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Porridge Radio – Waterslide, Diving Board, Ladder To The Sky

“Waterslide, Diving Board, Ladder To The Sky”. Der Preis für den eingängigsten Albumtitel des Jahres geht nicht an Porridge Radio. Nach langem Bestehen der Band, vor zwei Jahren das Debütalbum „Every Bad“. Sehr gut gelungen und viel (zurecht) gehyped. Dann wie für so viele – Lockdown, Tour mehrfach verschoben. Rückzug zu (Solo) Live-Streams aus dem Schlafzimmer. Und dann viel Zeit, an einer neuen Platte zu arbeiten.

„Back To The Radio“. Gitarre, Feedback im Hintergrund, Gläserklirren im Hintergrund. Ziehende Spannung. Dana Margolin fängt an zu singen. Die Band setzt ein und das Stück baut sich auf. Viel Amanda Palmer gehört, bevor sie das Stück geschrieben haben? Der Song baut sich langsam zu noisiger Intensität auf.

„Trying“ verblüfft harmonisch mit breitem wohligem Klang. Wäre da nicht die Stimme mit der typischen latent aggressiv-verzweifelten Grundhaltung. Immer ein ganz kleines bisschen vorm Kippen. Mehr Alternative-Rock als Post-Punk.

„Birthday Party“ hypnotisches Highlight. “I don’t wanna be loved, I don’t wanna be loved, …” endlose Repetition. Vordergründig unspektakulär gewöhnlich. Sukzessiv nervenzehrend, in einen wohligen Abgrund saugend. Die schleichende Verdichtung der Einsamkeit tut das Ihrige. Das Ende erleichtert und ist Verlust zugleich.

„Rotten“ bringt einen reduzierten, dramatischen Bombast ins Spiel. Den Noise-Part lassen die vier aus Brighton zum ersten Mal weg. „U Can Be Happy If U Want To“ nimmt das musikalische Thema auf und bleibt näher am Indie. Würde sich die Hammond Orgel nicht langsam aber sicher von hinten in die Emotionen schrauben.

„Flowers“ überrascht als Ballade mit Klavier. „Jealousy“ zieht die Emotionen in tieftraurige Tiefen, um sich dann wieder intensiv aufzubäumen. „I Hope She’s OK“ wechselt zwischen energiegeladenem Hüpfer und hibbeliger Unsicherheit.

Etwas später zerrt und schnarrt sich „The Rip“ psychedelisch in den Bauch. Zum Abschluss beruhigt der Titelsong “Waterslide, Diving Board, Ladder To The Sky” nochmal als Ballade.

Abwechslungsreich mit größerer Bandbreite als das Vorgänger-Album. Wirken manche Tracks fast anbiedernd schön, präsentiert die Platte die emotionale Zerrissenheit der letzten Jahre. Alle bekannten Motive wieder da, zerrende Gitarren, schleppende Drums, sich aufbauende Wände aus Noise.

Erweitert durch versöhnlichere Töne, mehr Keyboard im Vordergrund und weniger vordergründige Wut. Fett und voll produziert.

Die Ausnahmekünstlerin Dana Margolin ist unbestritten das Zentrum der Band. Sie versteht es wie wenige, andere mit ihrer Stimme leichter zwischen Stimmungen zu wechseln als das Gehirn beim Zuhören mitkommt. Der dünne Grat am Rande des Absturzes oder Ausrasters wird hörbar und spürbar.

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