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Stella Sommer – Live in der Elbphilharmonie, Hamburg

„Made in Hamburg. Hamburger Pop Nachwuchs in der Elbphilharmonie“. So der Claim der Veranstaltungsreihe “Made in Hamburg“von RockCity Hamburg e.V.

Großer Gedanke, tolle Aktion. Nur, Stella Sommer als Nachwuchs? Aktiv seit 12 Jahren. Mehrere Platten mit Die Heiterkeit, Die Mausis und zwei Solo-Alben. Überschwängliches Lob auch weit jenseits der einschlägigen Publikationen in MusikBlog, Spiegel, Zeit, Süddeutsche…

Jedes Wort des Lobes mehr als gerechtfertigt, also egal, ob Nachwuchs oder nicht und ab in die geweihten Hallen. Kleiner Saal ist nicht „die“ Elphi, aber trotzdem ein weit überdurchschnittlicher Konzertraum. Gehobene Optik mit den wellig gefrästen Wänden und noch weit bessere Akustik.

Die Bühne rappelvoll gepackt mit Instrumenten. Inklusive Klavier und Schlagzeug zählen wir auf den ersten Blick zehn Stück. Aus unerfindlichen Gründen ist der Saal nur zu gut über die Hälfte gefüllt, vorne größere Lücken, die hinteren Reihen komplett leer. Sind das noch Corona Nachwehen? Die Heiterkeit hat das Uebel & Gefährlich komplett gefüllt. Und da gehen 300 Leute mehr rein.

Aber das tut der Stimmung keinen Abbruch, als Stella samt Band die Bühne betritt. Wir werden später von ihr hören, dass sich das nach den Corona-Konzerten wie eine Arena anfühlt. Das prägt auch den Anfang, Spannung und Aufregung sind nicht zu übersehen. Alle in schwarz, nur Stellas weiße Schuhe reflektieren etwas Licht.

Mit „13 Kinds Of Happiness“ ziehen sie schon zum Start alle Register, die sich der Raumakustik mit der großen Instrumentierung entlocken lassen. Weit weg von der Aufnahme baut sich der Sound verhalten auf wie ein schwarzer Sonnenaufgang. Verhaltenes Wummern, düstere Klangebenen und feine Percussion ergänzen sich fließen. Der Gesang von Stella mittendrin oder oben drüber. Pointiert und klar.

Das Spiel mit der Dynamik setzt sich fort in „Shadows Come In All Colours“. Betäubende Stille harmoniert mit dem seichten Bass und der nahezu zärtlichen Pauke.

Neben der charismatischen Frontfrau ist auch der Rest der Band sehr sympathisch. Die Zusammensetzung ist jedoch ein großer Unterschied zur Platte. Wie wir lernen, spielen sie auch das erste Mal zusammen in Hamburg.

Auf der Bühne zwischen allen Stücken leichte, auflockernde  Betriebsamkeit. Sie haben nur zwei Setlist-Exemplare auf der Bühne und müssen dauernd verifizieren, was denn nun kommt. „Arbeiten mit Profis…“

„A Lover Alone“, „The Eyes Of The Singer”, “7 Sisters”, “Dark Princess, Dark Prince”, “Do You Still Love Me Now?”, „I Had No Idea“, …einmal im Querschnitt geht es durch beide Solo-Platten mit etwas mehr Gewicht auf der letzten Scheibe “Northern Dancer“.

Mit „7 Sisters“ steigt die Bewegung auf der Bühne weiter. Martha Rose verlässt ihre Geige für eine „Große Reise durch die Instrumente“. Geige, Gitarre, Klavier, Keys, Geige, Querflöte. Beeindruckende Bandbreite. Sie spielt jedes Instrument, als wäre es das einzige.

Bei ein paar Stücken kommt fast ein kleiner Hauch Lebensfreude nach oben gespült. Sonst dominiert natürlich die typische düster-traurige Grundstimmung. Das Markenzeichen von Stella Sommer zum Maximum ausgebaut.

Die herausragenden Spitzen schleifen sich über Zeit leider etwas ab und es tritt eine gewisse Routine beim Hören ein. Schon nach einer Stunde verlassen die sechs unerwartet früh die Bühne.

Für eine Zugabe lassen sie sich nicht lange bitten. „The Flowers Won‘t Grow“ überrascht mit erstaunlich bombastischer Interpretation. „Northern Dancer“ legt zum Abschluss noch ein Highlight nach. Gänsehautverdächtiges Solo mit Piano. Ausgebaut von der Band zu einem dicken, tiefschwarzen Samt-Teppich, der alle hellen Gefühle verschluckt.

Beeindruckend, wie wunderschön tieftraurig-lebensfroh ein Abend mit diesen Künstler*innen sein kann. Kuschelig-schaurige, musikalische Ästhetik in sehr dunkelschwarzem Sound. Schatten in allen Farben.

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