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Oehl – Keine Blumen

RubrikAlben
Künstler*inOehl
GenresIndie-Pop

Geht das mit der Dürrephase so weiter, könnte der Wunsch, der im Titel des neuen Oehl-Albums „Keine Blumen“ steckt, schon bald wahr werden.

Das wünscht sich natürlich niemand in dieser drastischen Auslegung, lässt man sich von dem sanften Sound des Wiener Künstlers einlullen, würde man ihm aber eigentlich jedes Begehren blind ermöglichen. Im Dämmerlicht zwischen konturloser Schwermut und schwitziger Tanzbarkeit ist „Keine Blumen“ eine Hommage den Moment.

Dieser kann mal federleicht in die Höhe steigen, mal am Abgrund tänzeln, mal irgendwo dazwischen schweben. Bei Oehl finden alle Gefühlslagen ihren Platz, dürfen atmen und ausgekostet werden. Dabei schimmern die Stücke in kräftigeren Farben, als man erwarten würde.

„Finneas, bist du das?“, fragt man sich noch im Opener „Es Tut Mir Leid“, wo der Liedermacher Ariel Oehl seine Stimme in einen melancholie-getränkten Wirbelsturm aus Verzerrungen und Unklarheiten wirft. Dieser erste Impuls wird aber schnell durch die Erkenntnis ersetzt, dass Oehl 2022 nicht nur eine, sondern unzählige Manifestationen aus dem Hut zaubern können.

Auf dem Tandem aus poetischer Form und poetischem Inhalt strampelt sich das Duo scheinbar problemlos durch unauffällig auffällige Kompositionen. „Bis Einer Weint“ ist dabei mit flirrendem Synth-Pop und einer schicken Funk-Kopfstimme noch einer der direkteren Hit-Kandidaten.

Sonst bleiben von dieser Platte vor allem jede Menge Momente, die einfach schön sind – in der bestmöglichen Idee dieses Wortes. Allein der Songtitel „Kummer, Mond & Sterne“ zeigt die Tristesse der deutschen Sprache, das passende Stück präsentiert sich als fließendes Zwischenspiel im Bon-Iver-Stil.

Bei Lyrics wie „Schatten auf der Sonnenuhr“ und mystischen Background-Chören empfiehlt sich „Schönland“ direkt für die Herbst-Playlists, „Wie Motten das Licht“ steigt vollkommen überraschend in ein triumphierendes und dennoch pastellfarbenes Finale.

In „Vogelhaus“ ist hingegen der düstere Moment der Endzeitstimmung gekommen und „Satt Werden“ ist mit seinem gigantischen Chor im Kontrast einer der imposantesten Momente des Albums. Auf „Blau“ flirren die beiden mit ungewohnten Sounds schnurstracks in Mines Universum.

So gibt es hier vielleicht keine Blumen, dafür aber unzählige bewegende, mitreißende, große Momente. Und die dürfen wir mit Oehl feiern. Danke dafür.

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