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Sophia Blenda – Die Neue Heiterkeit

Lassen sich starke, doch unklare Gefühle mit unklaren Worten ausdrücken? Sophie Löw kann das glasklar. Mit Sprache und Musik.

Als Herz der Wiener Band Culk hat sie mehr als nur bewiesen, dass sie mit ihrer Band klare Worte in großartigem Post-Punk transportieren kann. Jetzt, zwei Jahre später, ein weiterer Schritt in die notwendige Eigenständigkeit. Unter dem Pseudonym Sophia Blenda liefert sie das folgerichtige Solo-Album „Die Neue Heiterkeit“ ab.

Minimal orchestral überrascht der Auftakt von „Wo Bleib Ich“. Der Post-Punk ist weg, dunkle Tiefe ist da, zärtliche Percussion im Hintergrund. Sophies Gesang schwebt darüber. Mit steigender Dichte steigt die Energie aus der Tiefe hervor. „Weiter und weiter und weiter. Wir gehen voran.“ gibt eine positive Richtung voran. Das gehauchte „Im Gleichschritt“ stellt alles sofort wieder in Frage.

„Wie Laut Es War“ bringt das Klavier ins Spiel. Das Instrument, auf dem Sophie auch die Stücke für Culk komponiert, bevor sie auf Gitarren übertragen werden. Auf dieser Platte erhält es eine sehr zentrale Rolle.

Mit, vermeintlich leichten, elektronischen, düster-poppigen Klängen darunter ist es jedoch weit weg von einem akustischem Klavier-Album. Minimalistische Sound-Schichten erzeugen starke emotionale Intensität.

„Sie bleibt, sie schreit, sie lacht, sie weint. I think I’m having fun tonight. Nicht mehr allein sein in Massen. Bis der Morgen die Nacht raubt.“ Ekstatischer Spaß kommt einem nicht in den Sinn, wenn das Stück „Fun“ repetitiv und ruhig ausläuft.

Genauso wenig optimistisch kommt „Fear Is An Empty Space“ daher. Anfänglich erinnert es etwas an die Stimmung von Soap&Skin. Spätestens, wenn der leise Sprechgesang einsetzt, überwiegt faszinierend fesselnde Beklemmung „Ich bin da zwischen Zukunft und Angst. Ich bin da zwischen Heiterkeit und Gewalt.“

Komplexer, dunkelschwarzer Pop über die ganze Platte in enger Symbiose mit dem Klavier und Sophies Stimme. Sophia Blendas schwergewichtiger Gesang erzeugt Assoziationen,  Gefühle und Meinungen, ohne jemals so explizit zu werden wie mit ihrer Band Culk.

Einzig “BH” wird deutlicher als die anderen Stücke. Das macht die Platte noch berührender und ungreifbar.

Sophia (mutiger als Sophie) schafft es, unheimlich dunkle Düsterkeit intensiv hoffnungsvoll rüberzubringen. Beeindruckende emotionale Dichte akustisch in tiefgründige Lyrik verpackt.

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