Lambchop bleiben beständig in ihrer Veränderung und machen eine exquisite Piano-Platte. Kurt Wagners neuester Coup “The Bible” kreist zwischen der Dramatik von Nick Cave und Bon Iver und pinselt den beflissenen Art-Pop, der daraus abschmilzt, mal auf die Arthouse-, mal auf die ganz große Leinwand.

Im geschmackvollen Eröffnungstrack „His Song Is Sung“ gelingt ihm gar beides zugleich. Schon hier sind die Mittel der elektronischen Klangerzeugung, zu denen sich Lambchop seit mindestens drei Veröffentlichungen bekennen, erneut unüberhörbar. Sie sind im Kontext der Band, die im klassischen Sinne noch nie eine war, wohl aber nie pointierter eingesetzt worden.

Die verlorenen Fans, die den melancholischen Americana Tagen in Nashville nachtrauen, wird das trotzdem nicht zurückbringen. Dafür ist eine quadratische Clubnummer wie „Little Black Boxes“ zu weit entfernt von „Up With People“.

Für die Treuen als auch die neu Hinzugekommenen ist „The Bible“ aber das bislang stärkste Argument, zu bleiben. Es fühlt sich an, als hätte Wagner seinen spielerischen Werkzeugkasten inzwischen im Griff – und nicht umgekehrt.

Die Stimmverfremdungen, die bislang eher störten als zu bereichern, sie machen im eleganten Pianostück „Daisy“ den gekonnten Unterschied zu Nick Cave. In „Whatever Mortal“ sind elektronische Percussions und eine jazzige Bassline auf derselben Seite, nicht länger Konkurrenten.

Die Dinge sind vielmehr in einer delikaten Balance. Bläser und Streicher heben das Album immer wieder kurzzeitig in die Hochkultur, dort hin wo auch die Tindersticks immer wieder ihre Hälse hinein strecken, um dann, bevor es zur Methode wird, von humoristischen Titeln wie „Dylan At The Mouse Trap“ wieder auf den Boden geholt zu werden.

„It’s Gospel, yes for sure” singt Wagner noch im Bon-Iver-Versatzstück “A Major Minor Drag”. Dabei muss er sich hier vor niemandem mehr rechtfertigen.

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