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Aoife Nessa Frances – Protector

Auch Bremspedale können durchgedrückt werden. In Zeiten der Reizüberflutung auf Entschleunigung, Minimalismus, Durchatmen zu setzen, ist aber natürlich in der Regel ein sehr lobenswertes Unterfangen. Nur könnte man dem zweiten Album “Protector” von Aoife Nessa Frances durchaus vorwerfen, es mit der Prise Entspannung etwas zu gut gemeint zu haben.

Dabei ist an dem Rezept hinter den neuen acht Tracks der irischen Musikerin erstmal gar nichts auszusetzen: Sanftmütiger Singer/Songwriter-Sound, der seine Folk-Elemente mit ganz viel Hall und Wärme ausstattet. Dazu eine Stimmfarbe, die noch jede widerspenstige Welle glätten würde.

Aber vielleicht ist das auch der Knackpunkt: “Protector” ist seinem Titel entsprechend schon fast im Helikopter-Eltern-Bereich der Vorsicht angelangt. Ecken und Kanten wurden hier nachsichtig wegpoliert, bis nur noch eine wohlig duftende Masse übrig blieb.

Ob nun “Emptiness Follows” seine warmen Instrumente über einen brüchigen Klavier-Korpus legt oder “Back To Earth” in märchenhafte Mystik taumelt – das Album fühlt sich mehr als Reise denn als Song-Sammlung an. Immer wieder erinnert der Sound dabei an Angel Olsen und Konsorten, eine wirklich bleibende eigene Duftnote hinterlässt er jedoch selten.

Sieht man mal über diese schwummrige Uneindeutigkeit des Songwritings hinweg, die ja auch durchaus einen positiven Hypnose-Effekt mitbringen kann, fallen vor allem die Arrangements auf. Die nahm die Irin gemeinsam mit Brendan Jenkinson (Produzent, Tasten, Bass, Synthesizer, Klarinette) und Brendan Doherty (Schlagzeug) auf.

Aber damit nicht genug: Zur Vollendung der Instrumental-Wände, die hier liebevoll geschichtet werden, kamen auch noch Ailbhe Nic Oiroictaigh (Streicher), Meabh McKenna (Harfe) und Conor O’Brien (Bläser) hinzu.

In dieser bewussten Reduktion bis hin zum Minimalismus schaffen es die Instrumente trotzdem, umeinander zu fließen, sich zu umgarnen und eine Sanftmut zu versprühen. Anspiel-Tipp für dieses Phänomen: “Way To Say Goodbye”.

Diesem musikalischen Genuss kommt auch die Produktion entgegen, die ähnlich warm klingt wie Frances’ Timbre im zerbrechlichen “Only Child”. Immer wieder knistert die Tonspur wie ein Radio aus vergangenen Jahrzehnten, ohne dabei die Klarheit der Aufnahmen zu zerstören.

Wer für diesen Herbst dringlichen Bedarf an verträumter Indie-Melancholie sucht, könnte hier also doch durchaus glücklich werden.

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