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Flo Mega – Über Das Grau

Flo Mega hat schon mega viel gemacht. Neben zwei Teilnahmen bei Stefan Raabs “Bundesvision Song Contest” (einmal gemeinsam mit Nico Suave) arbeitete der gebürtige Bremer bereits mit namhaften Künstler*innen wie Samy Deluxe, Nina ‘Fiva’ Sonnenberg, Die Fantastischen Vier oder auch Mark Forster. Mit der Berliner Band The Ruffcats veröffentlicht der deutschsprachige Soul-Sänger nun seinen vierten Longplayer “Über Das Grau”.

Verspielte Klavierakkorde und die erste Zeile “Guten Morgen, lieber Tag, gestern Abend warst du weg, jetzt bist du wieder da und das ist nicht selbstverständlich” tränken den gleichnamigen Opener “Über das Grau” in ein widerlich gut gelauntes Gelb. Er wisse das sehr zu schätzen, fügt er hinzu, nimmt die Rolltreppe nach oben und will Friedenstauben kaufen, während man ungewollt schunkelnd und wippend zurückbleibt.

Um das nicht direkt als austauschbare Plattitüden oder belanglose Deutsch-Pop-Kalendersprüche vorzuverurteilen, sei vorausgeschickt, dass sein zweites Release “Mann über Bord” aus dem Jahr 2014 unter anderem aus Depressionen und einem Burn-Out heraus entstanden ist.

Angst und Schmerz kennt Flo Mega nicht bloß vom Hörensagen. Deshalb drückt man auch beide Augen zu und stellt sich farbenblind, wenn man mit “Jede Sekunde ist ein Diamant, der mir in die Hände fällt” in “Dankbar” ge(edel)steinigt wird.

Anschmiegsam, aber nicht schmierig, pinseln tröstende Streicher im biblischen “WTFOMG” überall Brücken, wo Moses das Meer nicht teilt. Flüsse fließen rückwärts, Jesus heißt Christoph und der Track beschließt mit einem absurden, nostalgisch anmutenden Mitschnitt eines Telefongesprächs. Es sind Momente wie diese, wo vermeintliches Pathos mit selbstironischem Deckweiß übermalt wird.

Wie hervorragend die farbenfrohen Ruffcats mit seinem nasalen Gesang harmonieren, zeigt nicht zuletzt auch das schnoddrige “Es Ist Wie Es Ist”. Seine überspitzte Errettung durch Glückskeksregen und Rückenschwimmen in Yogi-Tee konnte er zuletzt auch im Oktober 2022 live in Ina Müllers Late-Night-Show “Inas Nacht” präsentieren.

Der fette Sound der Soul- und Funkband weiß stets zu überzeugen. Von leuchtend bis pastellig ist die Platte angereichert um Klanggerüste verschiedenster Genres. “New York” erinnert ganz klassisch an Amy Winehouse, während in Titeln wie dem schimmernden “Gin & Jazz” oder dem schmissigen “Kompliziert” sein musikalischer Werdegang als Rapper hörbar wird.

Obwohl die eloquenten Texte gelegentlich einen Tick zu kitschig ausfallen, schafft es der geerdete und pragmatische Flo Mega, dass das Album nicht gallig gerät. Mitreißende Bläser, pompöse Streicher, funkelnde Gitarren und energische Drums tunken die Tragikomödien auf “Über Das Grau” in warme und funkige (Klang-)Farben.

Selten war die Nichtfarbe aus Schwarz und Weiß so bunt.

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