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Helen Ganya – Polish The Machine

Auf ihrem neuen Album “Polish The Machine” entfernt sich die in Brighton lebende Helen Ganya vom Vorstadt-Albtraum und beginnt eine existenziellen Sinnsuche. Dabei hinterfragt die Singer/Songwriterin die heteronormativen sozialen Konstrukte, die uns umgeben und versucht, sich von ihnen zu lösen.

Bereits auf früheren Stücken warf Ganya (damals noch als Dog In The Snow) einen unheimlichen, unerschrockenen Blick auf die oft albtraumhafte Realität der heutigen Welt. In “Polish The Machine” geht sie noch weiter, ohne dabei den Mut zu verlieren.

Stattdessen verfolgt die Britin den Wunsch nach Gemeinschaft und zaghaften Optimismus. Hier werden die Zwänge der gesellschaftlichen Rollen gelockert, um einen anderen Weg zu fördern und zu fordern: einen ungewöhnlichen, sich ständig weiterentwickelnden Weg.

Der erste Song “I Will Hold That Hand For You” ist sinnbildlich für dieses Gefühl. “I had a fear of the ordinary”, singt Ganya dabei über einen heiteren Elektro-Pop-Beat und lässt dabei unsere rastlosen Herzen gleich zu Beginn höher schlagen.

Die Vorabsingle “Afterparty”, die mit einem wunderbaren Tanzvideo daherkommt, handelt von Verletzlichkeit und jenen überwältigenden Gefühlen, die wir haben, wenn wir ins Leere fallen.

In “Young Girls Never Die” zeigt sich die Sängerin wütend gegenüber den patriarchalischen Gesellschaftsnormen und singt dabei über hämmernde Synthieklänge: “Young girls never die, we just rot inside”, singt Ganya und vertieft in diesem Song die Idee der verlorenen Autonomie. Wir drehen uns in einem Hamsterrad und die sich immer wiederholende Melodie unterstreicht diesen Gedanken.

Dieser Ansatz, die Künstlerin selbst, und die 11 nicht immer ganz perfekten Songs bilden die Grundlage für das grundsolide “Polish The Machine”. Mit dieser Imperfektion schafft Helen Ganya auch Räume für Unerwartetes, die jeder selbst erforschen und mit eigenen Gedanken und Gefühlen füllen kann.

Ganya fühlt alles, was man fühlen kann, und öffnet ein Fenster, das uns wie ein Sog in die universelle Existenzangst zieht, ohne uns zu überfordern. Sie schafft somit eine Verbindung zu uns und bietet uns mit wunderbaren elektronischen Klängen und spannenden Lyrics eine Befreiung von der Furcht und Wut an, die uns – mehr als uns lieb ist – in der heutigen Zeit isoliert.

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