„Ich muss mich die ganze Zeit freuen“, sagt Thees Uhlmann gleich nach dem Opener „100.000 Songs“ am gestrigen Abend im Luxor und dürfte damit auch den Gefühlszustand jedes einzelnen Besuchers beschreiben.

Gleich zwei Dinge gibt es an diesem Abend zu zelebrieren. Diese Woche erschien mit „100.000 Songs – Live in Hamburg“ das erste Live-Album Uhlmanns. Wenn das kein Grund ist, ein paar kleine Konzerte in ausgewählten Lieblingsclubs zu spielen. Was für ein schöner Zufall, dass das Kölner Luxor zeitgleich seinen 40. Geburtstag feiert.

Die Show ist restlos ausverkauft, weswegen Uhlmann es sich nicht hat nehmen lassen, mit einem Zusatzkonzert am Nachmittag (ebenfalls ausverkauft) eine Doppelschicht einzulegen. Es ist also keine Überraschung, dass das Luxor bereits bei der Vorband Accidental Bird proppenvoll ist.

Einigen dürfte der bebrillte Herr auf der Bühne bekannt vorkommen. Accidental Bird ist das neue Projekt von Stefan Honig, der sich bereits mit seinem zur Band angewachsenen Solo-Projekt HONIG als Singer/Songwriter einen Namen machte. Der vorwiegend ruhige Sound, beim dem er sich teilweise nur von einem Klavier begleiten lässt, macht definitiv Lust auf das im April erscheinende Debütalbum.

Thees Uhlmann hingegen schlägt an diesem Abend nur selten leise Töne an. Lediglich für die beiden Songs „Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop Videodrehs nach Hause fährt“ und „Kaffee und Wein“ kocht die Stimmung etwas runter.

Trotzdem lässt sich das Publikum auch hier nicht davon abhalten, wie am gesamten restlichen Abend zielsicher jede einzelne Zeile mitzusingen, während Uhlmann anscheinend immer noch nicht glauben kann, dass er genau das hier macht „um über die Runden zu kommen“ und der Menge verschwörerisch zuraunt: „Irgendwann fliegt der ganze Schwindel auf.“

Sowieso ist Uhlmann ein großer Freund ausschweifender Ansagen, die zu keiner Sekunde langweilen, sondern stets unterhalten und den ein oder anderen herzhaften Lacher provozieren. Wenn er beispielsweise von seiner kurzen Zeit als Kölner erzählt:

Als er in einem kleinen Zimmer im belgischen Viertel gewohnt hat, das er über ein Festnetztelefonat ohne persönliche Vorstellung ergatterte, und als Mitbewohnerin eine alternde Künstlerin hatte, die gerne zu tief ins Glas schaute und so nachts an seinem Bett saß und ihn vom Schlafen abhielt, indem sie mit waschechtem Kölner Akzent fragte, ob er noch eine Whiskey-Cola wolle.

Schöner könnte man „Die Nacht war kurz (ich stehe früh auf)“ nicht ankündigen. Natürlich dürfen auch einige alte Tomte-Hits in der Setlist nicht fehlen und so gibt es mit „Ich sang die ganze Zeit von dir“ den ersten Moshpit des Abends.

Und mit nur einer Zugabe gibt sich weder das Publikum noch Uhlmann zufrieden. So erschallt nach „Schreit den Namen meiner Mutter“ und dem zweiten Abgang der Band aus dem Zuschauerraum in Dauerschleife der Refrain von „Die Schönheit der Chance“.

Kopfschüttelnd kommt Uhlmann wieder auf die Bühne und schnallt sich die Gitarre um, um eine Akustik-Version des besagten Songs anzustimmen. Wenn ein ganzer Abend Feuerwerk ist, hat man es sich auch verdient, leisetretend zu enden.

Die Ruhe von „Ein Satellit sendet leise“ nutzt Uhlmann, um seine großartige Band vorzustellen, bevor er zum Abschied einem überglücklichen Publikum wünscht, dass es bitte noch gut durch diese dunkle Jahreszeit kommen soll. Und hey – wenn Thees Uhlmann das sagt, dann schaffen wir das auch alle irgendwie.

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