Genug Isolation für Tuva Hellum Marschhäuser alias Tuvaband: Nachdem die gebürtige Norwegerin zuerst die selbst gewählte Einsamkeit in ihrer Wahlheimat Berlin und dann globale Lockdowns während Corona-Zeiten erlebte, steht der Schritt zurück in die weite Welt auf dem Programm.

Der war auf dem 2021er Album “Growing Pains And Pleasures” noch in weiter Ferne: Marschhäuser besang mit ihrem folkigen Dream-Pop noch fernab jedweder sozialer Nähe und mit traurigem Unterton das kleine Reich, das sich die Multiinstrumentalistin ausgerechnet mitten in der lebhaftesten Stadt des Landes geschaffen hatte.

Seitdem hat sich viel in der Welt geändert, denn Krisen, Kriege und Naturkatastrophen kamen auf, die soziale und ökonomische Ungerechtigkeit wird mit jeder Minute größer und rechtsextreme Kräfte gewinnen an Stärke. Statt aber in dystopischen Endzeit-Narrativen zu versinken, wählt das vierte Tuvaband-Album “New Orders” den Weg des Optimismus, so schwer dieser auch fallen mag.

Diesen läutet der Opener “Rejuvenate” mit seinem treffenden Namen sanft ein: Marschhäuser singt über Gesundung und Wiederaufbau, während die mystisch anmutende, post-rockige und traumhaft verhallte Nummer noch recht melancholisch klingt.

In “Something Good” erstarken die positiven Gefühle weiter. Die Musikerin singt mantraartig: “I do believe, I do believe/ that something good is going to happen” und erhält dabei eingehende Unterstützung von markanten Klavierakkorden.

Produktionstechnisch traute sich Marschhäuser noch nie in solch tiefe atmosphärische Ebenen, was womöglich daran liegt, dass sie zum ersten Mal völlige Kontrolle sowohl über das Songwriting, als auch über die Aufnahmen und das Mixing übernahm. Abgesehen von Schlagzeug und Posaune spielte die Künstlerin ebenfalls alles selbst ein, was dazu führt, dass dieses Album die bisher reinste Essenz ihres Schaffens darstellt.

Zwischen Gitarren, Klavieren und Synthesizern schichtet Tuvaband nebelige Soundkonstrukte auf, die zwar äußerlich langsam schleichen, jedoch mit voller emotionaler Wucht zuschlagen und mithilfe von pointierten, nüchternen Songtexten und einer warmen Stimme genau ins Herz treffen.

Ein Album zum Träumen ist “New Orders” sicherlich, aber vornehmlich ein Album zum Hoffen auf bessere Zeiten oder zumindest einen Lichtblick.

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